Ich bin froh, dass das immer wieder angesprochen wird, denn nur so kann man Transparenz herstellen in Bezug auf eine sehr gute aber auch sehr komplizierte und anstregende Therapie!
Ich glaube, dass die Vojta-Therpaie und deren Durchführung eine Glaubensfrage ist. Nein nein, nicht im religiösen Sinne, sindern im therapeutischen!
Ich schildere mal kurz den Ablauf einer Behandlung:
1. Behandlung: Ich erkläre nach ausführlichem Befund (Anamneseerhebung=Befragung) die Theorie und erkläre die wesentlichen Dinge an der "Therapie-Puppe". Ich befrage die Eltern nach der aktuellen Problematik und weise auf Lösungsmöglichkeiten im Sinne der Vojtatherapie hin!
Dann mache ich eine Übung Vojta "zum angucken"mit dem Ziel die "Folgen" mit nach Hause zu nehmen und diese dann erstmal zu verdauen. Das hört sich schlimm an, ist es aber miestens überhaupt nicht, da sich oft (nicht immer) ein Erfolg einstellt (undm wenn es nur das ausgeglichenere Kind war!)
Dann in der 2. Behandlung mache ich das an der Mutter (sofern sie damit einverstanden ist). Das hießt: ich lasse sie es spüren. Dann machen wir am Kind gemeinsam die Übung, abernur eine Ausgangsstellung. Bis zur nächsten Behandlung wieder: beobachten und Veränderungen registrieren!
Dann, in der 3. Behandlung kommt die vorläufige Entscheidung für oder gegen die Therapie. Bei einem "pro" gebeich 4 Wochen Zeit in Aussicht, in der wir einen gewissen Erfolg sehen wollen. Immer mit der unsichtbaren Notausgangstür!
Das Geheimnis ist die Aufklärung! In jeder Behandlung wird von mir vor, während und nach der Übung korrigiert, diskutiert und das Kind im Mittelpunkt stehend gelobt und motiviert, was das Zeug hält. Die Mutter bekommt "Ärger" von mir, wenn sie mit demKind nciht redet und es lobt. Alles negative wird ausgeschaltet: kein Bedauern ("oooch, du Armes!" oder "komm, noch einmal muss ich dich qäulen!") Das ist absolut destruktiv, und wenn ich das Kind wäre, dann würde ich mich fragen: "Hej Mama, warum machste denn dan den sch... mit mir, wenn es Quälerei ist ?"
Die Mutter muss stets Gelegenheit haben zu fragen und ich mache immer wieder vor, wie es geht, bis es sitzt! (nicht das Kind, die Übung! )
Zur eigentlichen Frage:
Ich habe mir die Mühge gemacht und eine Studie gesucht und gefunden, die die Therapien Bobath und Vojta in Bezug auf die Auswirkungen auf die Mutter-Kind Beziehung untersucht hat. Es sollte wohl herauskommen, dass die "Vojta-Kinder" extrem "geschädigt" werden dadurch und die Beziehung leiden soll und womöglich dauerhafte Schäden übrigbleiben! Pustekuchen und das bestätigen auch meine inzwischen 10jährige Berufserfahrung: Es kommt in der Studie zwar nicht das Gegenteil heraus, aber die Vojta-Kinder sind einfach die tough-eren (gesprochen tafferen ) !
Will sagen: die haben die Brust raus und strotzen vor Selbstvertrauen über das geschaffte und das beste dabie ist: "Mama hat das mit mir geschafft" und genau so verkaufe ich das den Eltern von Anfang an. Ich kann mir manchmal ein Grinsen nicht verkneifen, wenn sich eine graue Elternmaus am ersten Tag der Behandlung zu einem robusten aber liebevollen und verständnisvollen Elternteil entwickelt hat (in der letzten Behandlung) und ich die Mutter verabschiede und ihr sage: "jetzt kann ihr Mann aber froh sein, dass es das Geschimpfe zu hause nicht mehr hören muss"...und sie dann antwortet: "ach das Geschimpfe, also am Anfang war es echt anstrengend, aber hinterher habe ich es gar nicht mehr gehört und es hat ja was gebracht!"
Klar, das das auch nicht immer so läuft, aber so soll es sein!
>>>Und du fühlst, dass du lebst
Weil du tanzt und fliegst, du schwebst
Weil du lachst, weil du weinst und liebst
Du bist ein Wunder
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Andreas Bourani "Wunder"
will mich hier auch mal ein bisschen einmischen und mitmischen. Unsere Katharina (jetzt 6 Jahre alt) hat ebenfalls diverse Auffälligkeiten am Gehirn (hat einen Hydrocephalus internus, erweiterte Ventrikel und einen verschmälerten Balken). Vieles was ich hier gelesen habe hätte - vor einigen Jahren - von mir stammen können. Angefangen damit, dass wirklich kein "Fall" dem anderen gleicht, auch wenn die "Diagnosen" bzw. Symptome ähnlich sind.
Zum Thema Vojta: Katharina bekam mit 6 Monaten Vojta verschrieben. Ich hatte keine Ahnung, was da auf uns zukommen sollte. Wir haben etwa 8 Wochen durchgehalten, dann konnten sowohl Katharina und vor allem auch ich nicht mehr. Wir schliefen beide sehr schlecht, die Kleine hatte "Alpträume". Was uns allerdings am allermeisten "schockierte": Katharina fing an zu schreien, sobald wir auf den Parkplatz der KG fuhren und hörte erst wieder auf, als wie wieder nach Beendigung der KG ins Auto stiegen - da war sie 7 Monate alt!!! Sie wusste damals also schon genau, was gleich auf sie "zukommen" würde und brüllte sich die Seele aus dem Leib - ein Baby, das sonst nie schrie! Das war dann für mich der Ausschlag es mit Bobath zu versuchen. Wir mussten allerding die KG wechseln, denn die Vojta-Therapeutin hatte bei Katharina keine Chance mehr.
Wir haben dann lang nach Bobath geturnt, die KG konnte sehr gut mit ihr umgehen und hat mir viele Übungen für zu Hause gezeigt. Mit gut 2 Jahren fing die Maus damals an zu Laufen
Ich bin damals auch zu dem Entschluss gekommen, möglichst viel selbst mit Katharina zu Hause zu machen. Die Vormittage (mein Großer war im Kiga bzw. später dann in der Schule) waren frei und diese nutzten wir zum Turnen, Spielen und Kuscheln. Ich habe tonnenweise (Fach)Bücher gelesen, bin nächtelang im Internet gesurft und habe mir Tipps zusammengesucht, wie ich unsere Kleine am besten fördern kann. Es hat lange, lange gedauert, jeder Entwicklungsschritt musste mühsam "erarbeitet" werden, aber letztendlich sind wir mittlerweile mehr als zufrieden mit Katharinas Entwicklung. Es gab aber auch Zeiten, wo wir kaum weiter kamen, wo ich selbst am Ende und demotiviert war und keine Fortschritte sehen konnte. Mein Fazit war aber: keiner kennt das Kind so gut wie die Mutter/Eltern und ich kann dann dem Kind an diesem oder jenem Tag diese Übungen anbieten, die es gerade (vermeintlich) braucht oder woran es Spaß hat und auch gut mitmacht.
Ich will hiermit auf keinen Fall die Arbeit der KG's abwerten, aber es gibt schon viele, die - wie ja schon geschrieben - die Kinder einfach nur abfertigen, ohne darauf zu achten, wie es dem Kind eigentlich an diesem Tag geht.
Tobias, Du scheinst da wirklich eine Ausnahme zu sein, ich bedaure sehr, dass Du gut 800 km von uns entfernt Deine Praxis hast . Wir wären die treuesten Patienten... Solch ein Engagement und vor allem Interesse an einem Kind mit den entsprechenden Erklärungen für die Eltern hätte ich mir sehr oft gewünscht. Leider habe ich des öfteren genau das Gegenteil erfahren: auf meine (manchmal penetranten) Fragen hin habe ich auch oft Antworten bekommen, wo einem nur noch die Luft wegbleiben konnte (... so nach dem Motto: das versteht ein Laie nicht...).
Oh je, jetzt habe ich aber viel "zum Besten" gegeben - sorry - aber vielleicht macht es dem einen oder anderen Mut nicht "aufzugeben". Und noch was: hört auf Eurer Kinder, Ihr Mütter/Eltern versteht sie am Besten!
Liebe Grüße aus dem tiefverschneiten Bayernland _________________ Evi mit Katharina, *01/99, globale Entwicklungsverzögerung/geistige Behinderung; eingeschränkte aktive Sprache jedoch relativ gutes Sprachverständnis und immer ein Strahlemäuschen
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Andreas Bourani "Wunder"
das ist ja die schönste Gegenüberstellung von Pro und Contra zu Vojta, die man sich träumen kann. Wahr sind wahr-scheinlich beide. Vojta als Hauruck-Gymnastik ist übelstes Turnvater-Jahn-Gehabe, Vojta mit Sinn und Verstand mag hilfreich sein.
Ich kenne es halt nur wie Evi: Meine Kleine schrie schon, wenn sie die Krankengymnastin sah. Sie ließ sich fortan überhaupt nicht mehr "führen". Reagiert panisch bei allem, was aussieht wie Arzt, merkt sich Gesichter und Orte.
Heute ist Joscha bei ihrem Vater vom Bett gefallen, einen Meter tief, er war Feuchttücher holen. Sie hat mehrmals gebrochen, eine Schürfwunde und eine verschwollene Nase. Die Gehirnerschütterung ist laut Kinderarzt glimpflich ausgegangen. Aber die jähe Angst sitzt noch in den Knochen. Mir am schlimmsten ist, daß (sich) der Vater nicht zu helfen wußte. Er versuchte eine Stunde lang, mich zu erreichen. Etwas anderes fiel ihm nicht ein.
Im Moment kämpfe ich sehr mit meinen Gefühlen, Evi: Mir ist auch das Wichtigste, daß es Joscha gut geht. Aber ich erschrecke wahnsinnig, wenn Du von dem überwiegend passiven Sprachvermögen Deiner Katharina erzählst. Wahrscheinlich dürfte ich das gar nicht aussprechen. Jetzt ist Weinen angesagt, billiges Selbstmitleid und Furcht, eine üble Mischung. Ich versuche es jetzt am besten wohl mal mit Schlaf.
Grüße, innige Sorte
Sonja _________________ Ein Mädchen, geb. 12-2003, Kleinhirnhypoplasie und Balkenagenesie, Tetraparese, Asperger Syndrom und ein wundervolles, starkes, schönes, gutes, liebenswertestetestes (!) Mädchen. Das allerbeste Kind - was sonst.
Hallo Tobias, wo es hier so viel um Vojta vs. Bobath geht...
Ist Vojta etwas für alle Kinder? Unsere sehr nette KG (macht aber nur Bobath) meinte, Vojta setze geistig einiges voraus, weil das Kind Erfahrungen verarbeiten muss, Reflexe aktivieren usw.?
Jedenfalls sei nicht gesagt, dass Malte dafür ein Kandidat sei.
Malte ist 20Monate und durch Gehirnschäden schwerst mehrfach behindert. Er kann noch nicht mal den Kopf heben. Bobath liebt er, er findet immer toll, wenn jemand an ihm herummacht (auch FF oder so). Er wird aber nicht selber aktiv, guckt aber immer sehr aufmerksam (auch wenn er blind ist), so dass man das Gefühl hat, es macht ihm Spaß.
Vojta haben wir drei Wochen gemahct, ganz am Anfang, als das Ausmaß seiner Behinderung nicht bekannt war. Ich weiß nicht, ob Bobath ihm was bringt, jedenfalls macht es ihm Spaß, das ist schon viel wert.
Aber an mir nagt das Gefühl, dass Vojta vielleicht effektiver wäre.
Aber das ließe sich ja nicht so schnell feststellen, und ich will Malte nicht unnötig ärgern. Er hat es mit Epilepsie und Ernährungsproblemen eh schon schwer.
Was würdest Du raten, wo Du Dich mit beiden Therapien auskennst?
Viele Grüße,
Vera mti Malte
dieses Forum hier ist eines der Besten (wenn nicht sogar DAS Beste) wenn es darum geht, das sich Eltern betroffener Kinder austauschen!
Das bedeutet auch, dass man viel vergleicht, was sicherlich nicht schlecht ist. Andererseits lesen sich manche "Schicksale" ganz ähnlich und sind dennoch sehr unterschiedlich und das betrifft nicht nur die Anamnese sondern auch die Therapie.
Außerdem kommt hinzu, dass nicht jede/-r KG gleich arbeitet (das gilt auch für alle anderen Professionen!)
Also, nicht den Kopf hängen lassen und "vorwärts denken",
ich wünsche viel Glück dabei....
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Andreas Bourani "Wunder"
die Entscheidung welche Therapie besser ist, kann Dir keiner abnhmen. In erster Linie entscheidet das Kind! Und das geht auch manchmal non-verbal! Das heisst aber nicht, das jedes "Schreien" = keine Akzeptanz in Bezug auf die Therapie bedeutet!
Ich würde mit der "netten" behandelnden KG einen Deal aushandeln:
Wenn Bobath Spass macht, dann auf jedenfall dabei bleiben, sofern das Gefühl überwiegt, es bringt was! Ansonsten würde ich mit der KG besprechen, ob man extern eine Vojta-Therapie beginnt mit dem Ziel, nach einem 10er Rezept den Erfolg zu beurteilen! Bringt es nichts, ist der Käse gegessen, und ich widmet Euch voll dem Bobath-Konzept.
Würde Vojta geistig einiges voraussetzen, dan würde ich mit der Hälfte aller Vojta-Kinder in meiner Praxis nicht mehr turnen! Klar ist, je mehr geistige Kompetenz vorhanden ist, umso "verständlicher" wird die Therapie für die Kinder! Andersherum kann man aber nicht sagen, dass "dumme" Kinder oder "geistig behinderte" Kinder dasnicht nachvollziehen können. Vojta läuft eh auf einer Ebene ab, inder das Unwillkürliche gefragt ist, auch wenn es dann mittel-langfristig ins willkürliche umschlagen soll.
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Andreas Bourani "Wunder"
Lieben Gruß,
Sabine _________________ Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
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Im Moment kämpfe ich sehr mit meinen Gefühlen, Evi: Mir ist auch das Wichtigste, daß es Joscha gut geht. Aber ich erschrecke wahnsinnig, wenn Du von dem überwiegend passiven Sprachvermögen Deiner Katharina erzählst. Wahrscheinlich dürfte ich das gar nicht aussprechen. Jetzt ist Weinen angesagt, billiges Selbstmitleid und Furcht, eine üble Mischung. Ich versuche es jetzt am besten wohl mal mit Schlaf.
Ich kann gut verstehen, wenn Du Deine Tochter mit meiner vergleichen möchtest, aber wie auch Tobias schon sagte, kein Kind ist wie das andere, auch wenn die "Diagnosen" scheinbar übereinstimmen.
Unsere Maus ist schon ein "Sonderfall", denn eigentlich ist sie in allen Bereichen recht fit geworden, nur die aktive Sprache kommt halt nicht/kaum. Das hat schon die verschiedensten Ärzte/Therapeuten/Logopäden in großes Erstaunen versetzt.
Und ich kenne auch Kinder, die weitaus "schlimmer" behindert sind (...blöde auszudrücken, ich hoffe ihr wisst was ich meine ...), aber dennoch ganz flott sprechen können.
Also, Kopf hoch! Ist leichter gesagt als getan, auch mir erging es vor allem zwischen dem 1. und 2. Geburtstag meiner Kleinen seelisch sehr schlecht, ich malte mir eine schrecklich düstere Zukunft für unser Kind aus, wusste überhaupt nicht, wohin uns unser Weg führen sollte, konnte mir garnicht vorstellen, dass sie mal einen Kiga besucht. Wie heißt es aber so "schön": die Zeit heilt alle Wunden". Ein bißchen stimmt das schon, oder aber man lernt einfach mit den verschiedenen Besonderheiten unserer Kinder umzugehen - schließt sozusagen seinen Frieden damit.
Ich wünsche Dir Kraft, Mut und Ausdauer auf dem gemeinsamen Weg mit Joscha und denke daran: "... das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar, man sieht nur mit dem Herzen richtig gut..." (aus der Kleine Prinz).
Alles Liebe
Evi _________________ Evi mit Katharina, *01/99, globale Entwicklungsverzögerung/geistige Behinderung; eingeschränkte aktive Sprache jedoch relativ gutes Sprachverständnis und immer ein Strahlemäuschen
Jan-Paul bekommt im Kindergarten auch Bobath und muss da richtig ackern. Ich habe mir heute mal so eine Stunde angesehen - das ist richtiger Turnunterricht: Kopf halten trainieren, Abstützen, Sitzen, turnen auf dem Gymnastikball - der war hinterher ganz k.o. Jan-Paul hat jetzt schon die dritte Bobath-Therapeutin und jede macht das anders.
Jetzt im Kindergarten wird verstärkt auf die Rotation geachtet, Training der Muskeln usw. - bei den anderen KGs wurde neben dem Turnen auch noch die Wahrnehmung trainiert (Spielzeug anbieten, Kastanienkiste, Bohnenkiste usw.). Dies wird ja nun eher in der Gruppe täglich geübt, wobei ich den Eindruck hatte, dass im Kindergartenalltag auch die Erzieherinnen bei der Beschäftigung mit den Kindern oft zu halben "Bobath-Therapeutinnen" werden.
In Jan-Pauls Gruppe kann kein Kind laufen, es gibt mehrere Liegekinder. Insofern sieht die Arbeit dort natürlich anders aus als vielleicht in einer I-Gruppe.
Lieben Gruß,
Sabine _________________ Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
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