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Vokabelproblem: "Missbildung"
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Petra Kreer
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Anmeldedatum: 17.01.2006
Beiträge: 1075
Wohnort: Riegelsberg

BeitragVerfasst am: 15.09.2006, 08:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
habe Eure Diskussion interessiert verfolgt und frage mich die ganze Zeit, wie ich das jetzt sehe.
Ich denke, Jana hat eine Grunderkrankung, genannt Morbus Recklinghausen. Die Krankheit hat sie entstellt, sie hat zwei unterschiedliche Gesichtshälften und erschreckt dadurch Fremde durch ihr Aussehen. Wenn die dann sagen, Jana ist missgebildet, dann würde ich sie nie verbessern, denn in deren Sprachgebrauch ist es halt so. Warum sollte ich sie auch verbessern? Sie wissen es nicht besser, das ganze prallt nicht an mir ab, aber ich kann die Menschen und auch Jana nicht besser machen. Jana hat einen Hydrocephalus, eben weil sie einen Tumor hat, der einen Wasserhof gebildet hat. Wenn ich das dann den Leuten erzähle, auch noch dass die Maus ein Glasauge hat, weil der Tumor das Auge so krank gemacht hat, dass es entfernt werden musste, fallen die meisten sowieso in Ohnmacht. Wenn sie dann denken, ist das Kind missgebildet, soll ich es ihnen wirklich verübeln? Macht es die Sache besser, wenn sie dann von Fehlbildungen sprechen?
Dass die Arztpraxis einen daran festmacht, welche Erkrankung ein Kind hat, ist auch üblich. Ich helfe in einer Arztpraxis aus und natürlich wird dann gesagt, heute kommt X, die hat Y. Allerdings würden die Mitarbeiterinnen nie zu einer Mutter sagen, Sie sind die Mutter mit dem missgebildeten Kind. Das finde ich auch gerade in einer Kinderarztpraxis der Hammer.
Im Moment hat Jana einen Infekt, also ist sie krank, eben noch kränker als sonst, wenn sie keinen Infekt hat.
Mehr kann ich dazu nicht sagen
Gruß
Petra

_________________
Petra, Michael, Jana (02.02.01 - 14.01.09) Hirntumor + -infarkte, Neurofibromatose Typ 1, Makrocephalie, Epilepsie, Verlust rechtes Auge mit 1,5 Jahren wg. Glaukom, spastische Hemiparese links, Hirnatrophie. Fotos unter http://www.REHAkids.de/phpBB2/album.....personal.php?user_id=9824 + http://www.REHAkids.de/phpBB2/album.....personal.php?user_id=4282
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Sabine Z
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Anmeldedatum: 16.09.2006
Beiträge: 2066

BeitragVerfasst am: 24.09.2006, 22:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo , Ihr Lieben ,

unsere Tochter Lea-Sophie hat Achondroplasie , weswegen die Röhrenknochen nicht richtig wachsen und dadurch die Proportionen nicht stimmen . In ärztlichen Mitteilungen steht dann immer dysmorph (missgestaltet) , was ich persönlich auch sehr hart finde ,dysproportioniert trifft die Sache da eher und klingt nicht ganz so schlimm .

Liebe Grüße , Sabine

_________________
Sabine(11/69)und (01/69)mit Minimotte(05/06)(Knochenwachstumsstörung,starke Hypotonie,allgemeine Entwicklungsverzögerung,7.11.06 OP Atlasbogenresektion und suboccipitale Entlastungsrepanation ),Sauerstoffabfälle + 7 gesunde Mädchen mit diversen kleineren Problemen(ADS, HB; Asthma..)
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Moni
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Anmeldedatum: 02.10.2004
Beiträge: 89

BeitragVerfasst am: 24.09.2006, 23:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Mir fällt zu der Diskussion noch eine Talkshow ein, die ich vor Jahren mal gesehen habe. Es ging um Behinderte und Partnerschaften und es waren mehrere körperbehinderte Teilnehmer dabei. Einer davon verwahrte sich sehr dagegen, als "krank" bezeichnet zu werden und sagte, als ein anderer Teilnehmer Spina Bifida als "Missbildung der Wirbelsäule" erklärte: "Nein, deine Wirbelsäule ist nicht missgebildet und auch nicht krank, sie ist einfach anders."

Zitat:
In ärztlichen Mitteilungen steht dann immer dysmorph (missgestaltet) , was ich persönlich auch sehr hart finde


Hallo, Sabine,

ich glaube, Ärzte denken - leider - in der Regel nicht darüber nach, wie sich ihre Wortwahl für die Betroffenen anhört (die Arztbriefe sind in der Regel ja auch nicht unbedingt für die Patienten bestimmt). Ich habe mal ein ärztliches Gutachten über ein Kind gelesen, mit dem ich beruflich zu tun hatte - es ging um die Frage, ob ein genetisches Syndrom vorliegt und es waren alle körperlichen Auffälligkeiten beschrieben, die bei dem Kind vorlagen, das Wort dysmorph und ähnliches tauchte da auch öfters auf - ich hatte den Eindruck, da wird ein Monster beschrieben - das Kind, das ich kannte und das ich sehr liebenswert und in gewisser Weise auch hübsch fand, konnte ich darin nicht wiederfinden. Ich kann mir, glaube ich, ein bisschen vorstellen, wie es einem geht, wenn man solche Begriffe über sein eigenes Kind lesen muss.
Ich finde "dysproportioniert" auch neutraler als "missgestaltet".

An die Ärzte und Medizinstudenten im Forum: Mich würde mal interessieren, ob solche Fragen (diskriminierende Begrifflichkeiten, Wortwahl gegenüber Patienten etc.) bei euch thematisiert werden. Question

Gruß
Monika
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Nellie
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Beiträge: 11996
Wohnort: Jena

BeitragVerfasst am: 25.09.2006, 14:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Monika,

Moni hat folgendes geschrieben:
An die Ärzte und Medizinstudenten im Forum: Mich würde mal interessieren, ob solche Fragen (diskriminierende Begrifflichkeiten, Wortwahl gegenüber Patienten etc.) bei euch thematisiert werden. Question


Nein, es kommt nicht im Studium gesondert vor. Das schwierige ist, dass die medizinischen Begriffe oft einfach nur Fachbegriffe ohne Wertung sind. "Dys-" zum Beispiel übersetze ich immer mit "Fehl-" und nicht mit "Miss-".
Es gibt sogenannte Dysmorphiezeichen. Das ist keine Wertung, sondern einfach die Feststellung, dass bestimmte Zeichen vorhanden sind, die auf ein genetisches Syndrom hindeuten könnten. Nur wenn man es übersetzt, dann kommt man in die deutsche Sprache mit Vergangenheit und Wertung.

LG
Nellie

_________________
Linn *2004, Intensivkind mit schwerster Mehrfachbehinderung durch eine Gehirnfehlbildung namens pontocerebelläre Hypoplasie Typ 2a (PCH 2a), Sondenkind mit Button, Epilepsie, Tracheostoma, nachts beatmet, schwere Wahrnehmungsstörung und ein zauberhafter roter Lockenkopf mit festem Willen und Ann *06/09, fröhliche Minimaus
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Moni
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Anmeldedatum: 02.10.2004
Beiträge: 89

BeitragVerfasst am: 26.09.2006, 12:48    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
die medizinischen Begriffe oft einfach nur Fachbegriffe ohne Wertung sind


Hallo Nellie,

danke für deine Antwort.
Ich weiß nicht, ob das uneingeschränkt stimmt, mir fällt aber im Moment kein konkretes Gegenbeispiel ein.
Allerdings sind ja auch "Mongolismus", "Hasenscharte", "Schwachsinn", "Idiotie" etc. medizinische Begriffe, wenn auch verhaltete.

Ich denke beim Sprachgebrauch von Medizinern auch nicht nur an die medizinischen Fachausdrücke, sondern auch an die Wortwahl z.B. beim Gespräch mit Patienten, mit Eltern/Angehörigen und auch in der Ausbildung.

Ich finde es z.B. einen großen Unterschied, ob man von "Verblödung" oder von "geistiger Behinderung" spricht. (Zitat von einem Arzt im Unterricht)
Ich habe auch schon in medizinischer Fachliteratur Formulierungen gelesen, die ich absolut nicht neutral und wertfrei finde, aber - wie gesagt - da finde ich gerade leider kein konkretes Beispiel.

Was hier teilweise von Eltern geschildert wird, was sie von Ärzten/medizinischem Personal zu hören bekommen haben, lässt mir die Haare zu Berge stehen.
Von daher denke ich, das ist vielleicht schon ein Punkt, für den in der Ausbildung mehr sensibilisiert werden sollte.

Gruß
Monika
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