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Marianne Neeb, Lysander - Grenzerfahrungen einer Mutter

 
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Sabine
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Beiträge: 16051
Wohnort: Menden-Lendringsen

BeitragVerfasst am: 30.06.2006, 14:43    Titel: Marianne Neeb, Lysander - Grenzerfahrungen einer Mutter Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

Hier ein Buchipp von Userin Sigrid S:

Titel: Lysander - Grenzerfahrungen einer Mutter
Autor: Marianne Neeb
ISBN: 3-8334-5230-7
http://www.amazon.de/exec/obidos/AS.....3452307/rehakdasforum-21/

Ganz neu, vielleicht noch nicht überall im Handel!

Hier Sigrids Beschreibung:

"Marianne Neeb legt mit ihrem Buch "Lysander - Grenzerfahrungen einer Mutter", dem Tagebuch ihrer eigenen Erfahrung, die Hand an ein gesellschaftliches Tabu.
Lysander ist das Tagebuch einer Mutter über die seelischen Folgen eines SSW-Abruches nach der niederschmetternden Diagnose Down-Syndrom. Niemand bereitet Frauen auf die seelischen Folgen eines (erlaubten) Abruches vor. Es folgen Wochen zwischen Zusammenbruch und Schuldgefühlen; der lange Weg, sich selbst zu verzeihen und den anderen, die zu diesem Schritt rieten.
Es beschreibt die vielen Stationen über Ratlosigkeit, über Wut, Verzweiflung und Trauer, aber auch den Weg, aus der tiefen Verzweiflung heraus zurück ins Leben.
Die Authentizität durch die eigene Erfahrung macht das Buch zu einem Plädoyer für den Schutz für das Leben des ungeborenen Kindes und für die Mütter, die mit seelischen Folgen allein gelassen werden.
Es ist der brennende Wunsch von Marianne Neeb, daß dieses Buch als Mahnmal in den Tagen erscheint, wenn ihr eigenes Kind auf die Welt gekommen wäre.
Der Erlös des Buchverkaufs ist für die Stiftung Menschen für Menschen von Karl-Heinz Böhm."

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Zuletzt bearbeitet von Sabine am 10.12.2006, 14:51, insgesamt einmal bearbeitet
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nele73
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Wohnort: Egestorf

BeitragVerfasst am: 26.11.2006, 22:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
Also ich muss hier mal Negativkritik loswerden!
Mich hat dieses buch ziemlich erstaunt, denn es spricht aus der Beschreibung eine Haltung die ich in den späten sechziger Jahren eher vermuten würde als 2006 Shocked !
So wird zum Beispiel in einer Szene eine Unterhaltung zwischen der Frau und ihrem Mann beschrieben in der die Frau sagt "guck mal es gibt sogar Menschen die so ein Kind (bezogen auf den Fall Tim/Spätabtreibung) freiwillig aufnehmen. Der Mann sagt daraufhin :Ja aber das gibt es nur seeeehr selten (um seine Frau zu trösten) Rolling Eyes .
Ausserdem wird immer wieder in einem ganz komischen Unterton von behinderten Menschen gesprochen ,der mich sehr abstösst... Confused !
...Für mich ist der Unterton dieses Buches sehr merkwürdig anmutend und ich bin ein wenig enttäuscht.... Sad .
Trotzdem ist es eine zu würdigende Sichtweise und dahwer ist es gut das es dieses Buch gibt!
In meiner persönlichen Hitliste von erfahrungsberichten steht es halt ganz weit unten!
Liebe Grüsse
und trotzdem spass beim Lesen Wink
Conny

_________________
Conny,Bj.73,Olaf,Bj.70 mit
Lea-Marie 10/95
Aenne Malin 11/01, Sehbehindert, Balkenhypoplasie, Epilepsie, schwere Entwicklungsstörung
Henry Roland 04/06, Balkenagenesie, Nierenaplasie rechts, Entwicklungsstörung
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Sigrid S
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Beiträge: 513
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BeitragVerfasst am: 27.11.2006, 12:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
ich habe es anders empfunden.
Nämlich:
Ich wurde auf das Buch aufmerksam durch die Todesanzeige von Lysander, wo die Eltern drunter geschrieben haben, hätten wir damals das Wissen von heute gehabt, könntest Du noch leben.
Und das Buch erzählt wie es leider tatsächlich abläuft und in den Köpfen vorgeht. Das die Ärzte einen fast hindrängen zu Fruchtwasseruntersuchungen, weil man sich doch kein behindertes Kind zumuten kann. Gerade wieder im Bekanntenkreis passiert und dann wenn man eigentlich Position bezieht, richtig angegangen wird ., was man sich und dem Rest der Familie zumutet........ Oder ebenfalls im Bekanntenkreis. wo der Arzt klar sagte, als es sehr früh zu vorzeitigen Wehen kam, daß man erst mal schauen solle, ob das Kind überhaubt okay sei, daß sich der Aufwand lohne. Und auch da die Mutter bedrängt hat, die natürlich egal was mit dem Kind sei, alles wolle um es zu halten, der Arzt sie ganz schön angegangen ist, daß man das ja wohl nicht wollen kann.
Und dies hat auch die Mama von Lysander erlebt. Und da sie selbst noch nie mit Behinderungen sich auseinender setzen brauchte, hat sie sich völlig in die eine und die andere Richtung beeinflussen lassen. Eben so wie es wohl den aller meisten geht, für die das Thema Behinderungen verdrängt wurde.
Aber: sie hat sich zwar beeinflussen lassen und abgetrieben, aber in dem moment, als die Tabletten schon drin waren, sah sie leider zu spät klar. Sie bereute es zu tiefst, und litt seelisch massiv unter der Entscheidung, sodaß sie sich in Tehrapie begeben mußte. Auch das Grab wird immer regelmäßig besucht. Und sie schreibt noch heute Briefe an ihre tote Tochter, um ihrem Leid, daß sie ihr und sich das angetan hat zu verarbeiten und den Schmerz, daß sie die Lysander durch ihre eigene Schuld und Unkentnis verloren hat verarbeiten lehren kann.
Eigentlich will sie mit dem Buch allen Mut machen , nicht so zu handeln wie sie. Sich nicht von den Ärzten und Verwandten. Bekannten negativ beeinflussen zu lassen sondern sich stark für das Kind zu machen.
Denn heute würde sie niemals mehr so entscheiden mit dem Wissen, daß sie nun hat und büßt bitter für ihre Fehlentscheidung, die sie aus damaligen Unwissen getroffen hat.
Sie will mit dem Buch alle bewahren solch eine Fehlentscheidung zu treffen.
Deshlab geht auch der Erlöß des Buchverkauf an meines Wissen an die Böhm Stiftung, auf jeden Fall eine Stiftung die sich für Kinder stark macht.
LG Sigrid S

_________________
Nicht behindert zu sein ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das uns jederzeit wieder genommen werden kann
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nele73
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Wohnort: Egestorf

BeitragVerfasst am: 28.11.2006, 22:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sigrid,
...ist lysander nicht ein Junge... Embarassed ..hab es so verstanden..
also ich muß(und will Wink ) dir recht geben. Es ist schon auch so das die tiefe Traurigkeit der Mutter schon im Vordergrund steht und daß dieses Buch auch deshalb wichtig ist, um anderen die sich mit dieser entscheidung tragen müssen mut zu machen.
Trotzdem, findest du den Unterton was Behinderung allgemein angeht nicht etwas seltsam Shocked ?
Ich erlebe einen solchen unterton in meiner Umgebung nicht.
Und das erlebnis aus deinem Bekanntenkreis ist für mich echt gruselig.. Mad !
Natürlich erlebe ich auch mal merkwürdiges mit Aenne und wurde bei meinem dritten Kind ja auch zur FU gedrängt, aber so wie diese Frau schreibt, das hört sich für mich alles so nach viel sagen und wenig wissen an. Etwas Naiv kommt mir der Schreibstil ausserdem vor... Confused .
Naja, du schjreibst es schon ganz richtig, es ist wohl eine sache des persönlichen empfindens.....daher ja auch gut für alle lesewilligen wenn hier mehrere meinungen gesammelt werden Very Happy .
Liebe Grüsse
Conny

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Ramona1982
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BeitragVerfasst am: 08.12.2006, 00:06    Titel: Antworten mit Zitat

Sigrid S hat folgendes geschrieben:
Hallo,
ich habe es anders empfunden.
Nämlich:
Ich wurde auf das Buch aufmerksam durch die Todesanzeige von Lysander, wo die Eltern drunter geschrieben haben, hätten wir damals das Wissen von heute gehabt, könntest Du noch leben.
Und das Buch erzählt wie es leider tatsächlich abläuft und in den Köpfen vorgeht. Das die Ärzte einen fast hindrängen zu Fruchtwasseruntersuchungen, weil man sich doch kein behindertes Kind zumuten kann. Gerade wieder im Bekanntenkreis passiert und dann wenn man eigentlich Position bezieht, richtig angegangen wird ., was man sich und dem Rest der Familie zumutet........ Oder ebenfalls im Bekanntenkreis. wo der Arzt klar sagte, als es sehr früh zu vorzeitigen Wehen kam, daß man erst mal schauen solle, ob das Kind überhaubt okay sei, daß sich der Aufwand lohne. Und auch da die Mutter bedrängt hat, die natürlich egal was mit dem Kind sei, alles wolle um es zu halten, der Arzt sie ganz schön angegangen ist, daß man das ja wohl nicht wollen kann.
Und dies hat auch die Mama von Lysander erlebt. Und da sie selbst noch nie mit Behinderungen sich auseinender setzen brauchte, hat sie sich völlig in die eine und die andere Richtung beeinflussen lassen. Eben so wie es wohl den aller meisten geht, für die das Thema Behinderungen verdrängt wurde.
Aber: sie hat sich zwar beeinflussen lassen und abgetrieben, aber in dem moment, als die Tabletten schon drin waren, sah sie leider zu spät klar. Sie bereute es zu tiefst, und litt seelisch massiv unter der Entscheidung, sodaß sie sich in Tehrapie begeben mußte. Auch das Grab wird immer regelmäßig besucht. Und sie schreibt noch heute Briefe an ihre tote Tochter, um ihrem Leid, daß sie ihr und sich das angetan hat zu verarbeiten und den Schmerz, daß sie die Lysander durch ihre eigene Schuld und Unkentnis verloren hat verarbeiten lehren kann.
Eigentlich will sie mit dem Buch allen Mut machen , nicht so zu handeln wie sie. Sich nicht von den Ärzten und Verwandten. Bekannten negativ beeinflussen zu lassen sondern sich stark für das Kind zu machen.
Denn heute würde sie niemals mehr so entscheiden mit dem Wissen, daß sie nun hat und büßt bitter für ihre Fehlentscheidung, die sie aus damaligen Unwissen getroffen hat.
Sie will mit dem Buch alle bewahren solch eine Fehlentscheidung zu treffen.
Deshlab geht auch der Erlöß des Buchverkauf an meines Wissen an die Böhm Stiftung, auf jeden Fall eine Stiftung die sich für Kinder stark macht.
LG Sigrid S


Ich habe es auch gelesen und kann obiges (abgeshen vom Geschlecht Laughing Wink ) doppelt und dreifach unterschreiben! Genau das ist eins der Probleme der heutigen Zeit und das spricht sie aus! "Was nicht sein kann (=Frauen könnten nicht nur trauern sondern bereuen es sogar) darf nicht sein" - mit dieser Einstellung möchte sie aufräumen und gleichzeitig ermutigen, nicht auf "die mit den guten Ratschlägen" zu hören!

Es gab auch einen Zeitungsartikel über sie;
zum Interview

_________________
Liebe Grüße

Ramona, Melissa *05.08.2004 - †28.11.2011 (Fraser Syndrom/Frühchen 29.SSW,Tracheotomiert (Larynxatresie), PEG,blind,keine Stimme,minim.schwerhörig,Syndaktilien) & Robin *30.11.07,41.SSW gesund
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Sabine
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BeitragVerfasst am: 10.12.2006, 15:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

nun habe ich das Buch auch gelesen. Überzeugt hat es mich nicht, die Autorin ging mir mit ihrer Frömmelei eigentlich nur auf die Nerven. Rolling Eyes Natürlich befand sie sich in einer sehr, sehr belastenden Situation, die ihr alles abverlangte. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass sie generell schnell mit Dingen (auch alltäglichen, vergleichsweise kleinen Sorgen) überfordert ist und sich von der Meinung anderer Menschen abhängig macht.
Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass ihr alle Leute, die sie um Rat befragt hatte - und das waren ja nicht gerade wenige! - von der Schwangerschaft abrieten. Es waren doch so einige (auch ein Arzt!) dabei, die sie ermutigten, das Kind auszutragen und ich hatte eher den Eindruck, dass ihre eigenen Vorbehalte (die Vorstellung, das süße Baby später möglicherweise als "brummenden" erwachsenen Behinderten in der Küche zu erleben) schließlich zur Abbruchsentscheidung führten.
Die Vorstellung, die die Leute heutzutage von behinderten Kindern/Erwachsenen haben, fand ich dagegen sehr realistisch. Ich erlebe es immer wieder, dass Menschen, die mit Behinderten nichts zu tun haben und auch keine kennen, in dieser Art und Weise über sie reden, auch die Bezeichnung "mongoloid" wie selbstverständlich für ein Kind mit Down-Syndrom benutzen - auch junge Leute!
Ansonsten sollte man die Erfahrungen der Autorin nicht verallgemeinern. Ein Spätabbruch ist sicher traumatisch und viele betroffene Frauen werden damit nicht fertig - das würde mir auch so gehen. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass viele Schwangere, die die Diagnose DS für ihr Kind bekommen, bis zur 20. SSW. noch fast immer eine Ausschabung vornehmen lassen können (mir ist ein Fall bekannt und die betroffene Frau hat diesen Vorgang überhaupt nicht traumatisch empfunden, sondern war hinterher einfach nur erleichtert, sich so und nicht anders entschieden zu haben).
Ich selbst habe eine Freundin vor Jahren durch einen Abbruch begleitet (8. oder 9. SSW.). Es war nicht schön, aber auch meine Freundin stand hinter dieser Entscheidung und musste sich später nicht in psychologische Behandlung begeben.
Insofern ist es nicht korrekt, wie am Schluss des Buches von der Autorin behauptet, dass alle betroffenen Frauen nach dem Abbruch ein seelisches Trauma erleiden.
Auch fand ich die Frömmelei der Autorin völlig überzogen - die meisten Frauen in Deutschland haben sicher eine andere Einstellung zu Religion und Kirche als sie.
Insofern: Das Buch ist ein persönlicher Erfahrungsbericht, der aber ganz sicher nicht auf das Gros der Frauen, die einen Abbruch hinter sich haben, übertragen werden kann. Die Vorbehalte der Autorin sowie die Reaktionen der Umwelt fand ich dagegen sehr realistisch und "typisch". Ob dagegen viele Schwangere "Hinz und Kunz" von ihrem Baby mit Down-Syndrom und ob Abbruch oder nicht erzählen würden, wage ich dagegen doch zu bezweifeln. Ich kenne vielmehr sehr viele Frauen, die bis zum Ergebnis der FU nur den allerengsten Familienkreis in die Schwangerschaft "einweihen", damit im Falle einer Abtreibung niemand davon erfährt. Übrigens auch ein Grund, warum man von der Schwangerschaft Prominenter oft erst erfährt, wenn die Frauen schon über die 18. SSW. hinaus sind...

LG
Sabine

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