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Margarete
Heilpädagogin
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Anmeldedatum: 11.07.2004
Beiträge: 476
Wohnort: Mühlheim

BeitragVerfasst am: 07.01.2005, 11:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Julia,

Eine geistige Behinderung ist nach der "International Classification of Diseases" (ICD - 10) der Weltgesundheitsorganisation eine Retardierung der Intelligenz und wird am IQ gemessen.

Von einer geistigen Behinderung wird meist erst ab dem Schulalter gesprochen. Bei Säuglingen und Kleinkindern spricht man von einer Entwicklungsverzögerung.

Hier einmal die Einstufung nach ICD-10:

IQ von 70 - 89 = Grenzdebilität
IQ von 50 - 69 = leichte geistige Behinderung
IQ von 35 - 49 = schwere geistige Behinderung
IQ von 24 - 34 = schwerste geistige Behinderung

Insgesamt ist es aber nicht nur sinnvoll, sondern auch meiner Meinung nach richtig und wichtig, den Menschen in seiner Gesamtpersönlichkeit wahrzunehmen. Nicht nur die Intelligenz macht den Menschen aus! Werden die Leistungen eines Menschen an seinem IQ festgemacht, so kommt man schnell in die Versuchung ihn so zu belassen, wie er ist. (Er kann ja nicht mehr lernen, er hat ja nur einen IQ von...)

In der Arbeit mit Menschen mit Behinderung ist es jedoch wichtig, die regelgerechte Kindesentwicklung zu kennen und die Abweichungen zu er-kennen, denn nur so können die, für das spezielle Kind richtigen, Förderansätze gefunden werden.

Dazu gehört natürlich eine umfangreiche Diagnose, die beeinhaltet:

-Rückschau auf den bisherigen Lebensweg des Kindes
-Gespräche mit den Eltern, Großeltern, Betreuern
-Beobachtungen (wie verhält sich das Kind, wie tut ein Kind etwas, wie bewegt, spricht das Kind, wie ist sein soziales Verhalten usw.)
-lesen und verstehen von medizinischen, psychologischen Gutachten.
-Anwenden eigener Testverfahren (Motorik, Sprache, Emotionen ...)
-kritisches Hinterfragen von bisherigen Gutachten (stimmen die dort beschriebenen Dinge mit meinen Beobachtungen überein?)
-Austausch mit Kollegen und anderen Disziplinen (Ergotherapeut, Krankengymnast...)

Wichtig ist auch, dass diese Diagnostik fortgeschrieben wird. D.h. sie muss immer wieder auf ihre Richtigkeit überprüft werden und gegebenenfalls ergänzt und verändert werden. Alles was wir glauben über einen Menschen zu wissen, ist letztendlich nur ein Vermutungswissen.

Aus meiner Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Behinderung, kann ich nur sagen: Es ist wichtig über vieles Bescheid zu wissen, wesentlich ist aber, wie ich mich auf eine Beziehung zu diesem speziellen Menschen einlasse und wie er sich auf mich einlässt. Denn nur ein gutes Miteinander, geprägt von gegenseitigem Vertrauen, Toleranz und Akzeptanz schafft die Grundlage für eine hilfreiche und fördernde Arbeit.

Deshalb: Beisst euch nicht so sehr an irgendwelchen Tests und deren Ergebnissen fest, sondern schaut, was für ein Mensch euch gegenüber steht. Interessiert euch für den Menschen!

Liebe Grüße

Margarete
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neue_Eva
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BeitragVerfasst am: 07.01.2005, 13:10    Titel: IQ - Wie ordnet man Menschen mit Handicap in Schubladen ein? Antworten mit Zitat

Hallo,

meine Meinung hierzu ist; natürlich sollte man Fähigkeiten von behinderten Menschen erkennen, fördern, weiterentwickeln. Aber ist es immer nötig hierfür diese eingefahrenen Denkstrukturen zu nutzen?

Auch ein Mensch mit einem niedrigen IQ-Wert wird auf seine Weise lernen, erleben, erkennen ... aber vor allem auf seine Weise das Leben genießen.

Ich habe viele Gutachten, von "sogenannten Fachleuten" die zu wissen glaubten das ich nie ein selbständiges Leben führen werde.

Nun, meine Frage? Wer hatte hier den niedrigen IQ?

In diesem Sinne

einen schönen Tag noch!

Gruss
Birgit
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Sabine
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BeitragVerfasst am: 07.01.2005, 15:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

wonach richtet sich eigentlich der IQ? Was wird da genau "gemessen"?
Ich habe mal gehört, dass sich der IQ lediglich an mathematisch-logischem Denkvermögen sowie räumlichem Vorstellungsvermögen orientiert. Ist das richtig?

Lieben Gruß,
Sabine

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Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
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Margarete
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BeitragVerfasst am: 07.01.2005, 16:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sabine,

es gibt mittlerweile sehr viele verschiedene Intelligenztests für unterschiedliche Altersgruppen. Die meisten testen einzelne Intelligenzfaktoren durch eine Reihe von Aufgaben mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Das Ergebnis ist dann 1.ein Gesamt-IQ und 2. ein Intelligenzprofil das die Stärken und Schwächen der Intelligenz der getesten Person aufzeigt.

Ich habe einmal eine Einführung in den Hawik - III gehabt. Das ist ein Intelligenztest für Kinder und Jugendliche von 6;0 - 16;11 Jahre. Erfasst wird die praktische, die verbale und die allgemeine Intelligenz über verschiedene Untertests wie: Bildergänzen, Allgemeines Wissen, Zahlen-Symbol-Test, Gemeinsamkeiten finden, Bilder ordnen, rechnerisches Denken, Mosaiktest, Wortschatz-Test, Figurenlegen, Allgemeines Verständnis, Symbol-Test, Zahlennachsprechen und Labyrinth-Test. Durch die verschiedenen Untertest kann man sehen, wo Stärken oder Schwächen vorhanden sind.

Es gibt auch nonverbale Tests für Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen oder für nichtsprechende Menschen.

Es stellt sich die Frage, was Intelligenz überhaupt ist. Die Entwickler der verschiedenen Tests haben durchaus unterschiedliche Auffassungen dazu.

Mir persönlich gefällt die Theorie von Howard Gardner am Besten. Er sagt, dass der Mensch mehrere Intelligenzen besitzt.
- die linguistische Intelligenz (z.B. Dichter)
- die logisch-mathematische Intelligenz
- die räumliche Intelligenz
- die musikalische Intelligenz
- die körperlich-kinästhetsiche Intelligenz
- die interpersonale Intelligenz (Fähigkeit andere Menschen zu verstehen)
- die intrapersonale Intelligenz (Fähigkeit ein präzises, wirklichkeitsgetreues Bild von sich selbst zu entwerfen und erfolgreich einzusetzen)
- die naturkundliche Intelligenz

Na, hoffentlich interessiert das überhaupt!?

Gruß

Margarete
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JuliaE
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BeitragVerfasst am: 07.01.2005, 23:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo nochmal!

@Sabine: Ja, ich empfinde es genauso, das junge Leute sich heute weniger einsetzen, also zu der Zeit wo z.b. meine Eltern (die sind mitte vierzig) ganz jung waren, zumindest von dem was sie erzählen. Es gibt mal kurz Protestaktionen gegen den Irakkrieg und Castortransporte aber das wars dann auch schon, die sind lang nicht so intensiv wie noch vor einigen Jahren. Ich wei nicht ob das daran liegt, ob es den Leuten zu gut geht, oder das sie einfach denken, sie können eh nichts mehr bewirken.

Bei der Sache mit der Integration muss man glaube ich, ganz deutlich zwischen "nur " Körperbehinderten" und geistig oder mehrfach behinderten unterscheiden (Was nichts gegen diese bedeuten soll, versteh das bitte nicht falsch!). Zumindest erlebe ich das in meiner ehrenamtlicen Tatigkeit in der (eigentlich integrativen) Behudertenarbeit (Wir machen einige male im Jahr Wochendendaktivitäten sowie Freizeiten-da darf ich allerdings nur als teilnehmer mit da ich ja selber behindert bin und das halt rechtlich nicht geht) immer wieder. Wir sind meistes in einem Haus wo oft zur gleichen Zeit auch andere Jugendgruppen mit Nichtbehinderten sind. Da merkt man leider dt das es diesen leichter fällt zu einem "nur Körperbehinderten" aufzunehmen als zu den geistig behinderten. Ein Stück weit kann ich es ja verstehen, das es für jemand der noch keine Berührungspunkte mit behinderten hattebefremdlich ist, wenn jemand auf ihn zukommt der zb. gar kein Gefühl dafür hat ob er gerade stört und z.b. Leute ständig tätschelt wenn er kommunizieren mchte(Das ist nur ein Beispiel von einem geistig behinderten den ich kenne, was bei ihm am meisten auffällt) . (DAs ist absolut nicht negativ den geistig behinderten Gegenüber gemeint, sie können ja nichts dafür, aber mach das mal einem Gesunden klar). Auch ein Freizeitprogramm so zu gestalten, das geistigbehinderte und nur körperbehinderte oder nichtbehinderte gleichermaßen davon profitieren, ist unheimlich schwierig und das finde ich total schade.

@Magarete: Ich fand deinen Bericht echt ganz interessant. Aber sag mal, wie misst man denn die interpersonale Intelligenz? Gibt es dann für jeden dieser Bereiche IQ-Punkte?

LG Julia
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Margarete
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BeitragVerfasst am: 08.01.2005, 20:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Julia,

Für Gardner´s Theorie der multiplen Intelligenzen gibt es keine Testverfahren. Er will durch jahrelange Forschung beweisen, dass die bisherigen IQ-Test zuwenig über den Menschen und seine Entwicklung aussagen. Man kann zwar anhand von einem IQ-Test in etwa die schulische Laufbahn vorhersagen, da sie sehr auf logische und linguistische Fähigkeiten ausgelegt sind, ebenso die Schule. Der weitere Werdegang und den beruflichen Erfolg kann man nicht absehen.

Falls das Dich oder Deinen Freund näher interessiert. Es gibt auf www.heilpaedagogik-online.com im Archiv 02.03 einen Artikel dazu.
"Howrd Gardners Theorie der multiplen Intelligenzen im Kontext geistige Behinderung" von Stefan Koslowski

Lieben Gruß

Margarete
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BeitragVerfasst am: 15.06.2007, 15:55    Titel: Antworten mit Zitat

nachdem wir gestern mit fiona bei einem iq-test waren, stellte sich uns auch die frage wo der unterschied zwischen geistiger behinderung und intelligenz ist. dazu habe ich bei wikipedia gut was gefunden.
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3 Jungs 91,92,02 und ein Mädchen 01 -
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