Verfasst am: 26.04.2006, 10:08 Titel: Kirsten mit Alice, entwicklungsverzögert
Hallo,
mein Name ist Kirsten, ich bin 37 Jahre alt und nachdem ich schon seit längerem immer wieder mal hier reinschaue und mitlese, möchte ich mich jetzt auch einmal vorstellen.
Meine Tochter Alice ist 5 Jahre alt und ... tja, was hat sie eigentlich? Nichts greifbares, könnt Ihr das verstehen? Sie kam per Kaiserschnitt in der 42. Woche mit 4930 g und 59 cm zur Welt. Es war kein Notkaiserschnitt, nur nach 5 Tagen mehrfacher Einleitungsversuche mit Tropf und Gel und was weiß ich noch alles tat sich einfach nichts mehr. Ihre Agpar-Werte waren 10/10/10, so weit so gut.
Mit drei Monaten wurde eine Lageasymmetrie festgestellt, daraufhin KG, dann wurde ein Nystagmus festgestellt. Erste neurologische Untersuchung ergaben nichts Verdächtiges. Sie saß mit 11 Monaten (Beine immer unter dem Po), krabbelte mit 12 MOnaten, lief mit 22 Monaten, war immer eher die Gemütliche. Kurz und gut, sie ist motorisch hypoton, hat dadurch auch eine Sprachverzögerung und ist, laut Ärzten, etwa 6 Monate entwicklungsverzögert.
Wir haben jetzt im Kinderzentrum München nochmal einiges untersuchen lassen, EEG, MRT, Hör- und Sehtest: keine Auffälligkeiten, der Nystagmus ist ererbt (von mir). Wir machen zur Zeit (um die Motorik zu fördern) Therap. Reiten, Turnen, Ballett, dazu geht sie noch in den Kinderchor und zur 'ästhetischen Früherziehung' (ja, ich weiß, hört sich ziemlich hochgestochen an, aber dort wird viel mit Ton gearbeitet, mit verschiedenen Farben, die Kinder können sehr viel ausprobieren und ich denke, der Feinmotorik kann es nicht schaden.
Was mir so zu schaffen macht, ist dass es bei Alice wie gesagt nichts greifbares gibt. Wir haben keine Diagnose und wenn ich sie versuche, einzuschätzen, sehe ich eigentlich keine großen Probleme. Sie spricht etwas undeutlich, aber der Wortschatz ist normal, sie versteht alles, auch komplizierte Sachen, sie ist ziemlich selbstständig, höflich, freundlich, kennt das Alphabet und rechnet. Aber letzte Woche im SPZ Höchst (dort habe ich sie auf Empfehlung der Münchner nochmal vorgestellt), hat mir die Ärztin nach einer halben Stunde der üblichen Tests (Ball werfen und fangen, auf der Linie laufen, FArben erkennen, Mensch malen etc.) mitgeteilt, dass ich für mein Kind im nächsten Jahr unbedingt eine sonderpädagogische Schule suchen soll. IQ-Test ist abgesagt, stattdessen will sie eine Prozessdiagnosik machen, was ist das?
Entschuldigt, dass die Vorstellung so lang geworden ist, aber ich bin im Moment ziemlich durcheinander und mit meinem Mann kann ich über dieses Thema zur Zeit überhaupt nicht reden. Der findet seine Tochter völlig in Ordnung und hat genug von den ganzen Untersuchungen. Wir wollen jetzt erstmal von Ärzten nichts mehr hören.
Ich habe mir angewöhnt, Dinge, ich nicht verstehen kann, zu hinterfragen. Das nervt zwar manchmal die Mediziner , oft auch, weil sie wohl nicht alles abrechnen können , aber dafür komme ich dann ein Stückchen weiter.
ein herzliches Willkommen im Forum zum positiven Erfahrungs -und Gedankenaustausch !
Gruß,
Beate _________________ ..es gibt nichts,was uns die Abwesenheit eines geliebten Menschen ersetzen kann;und man soll das auch gar nicht versuchen,man muss es einfach aushalten und durchhalten;das klingt zunächst sehr hart,aber es ist doch zugleich ein großer Trost,denn indem eine Lücke wirklich unausgefüllt bleibt,bleibt man durch sie miteinander verbunden.D. Bonhoefffer
vielen lieben Dank für die Begrüßungen. Ich freue mich auch auf regen Gedankenaustausch. Vielleicht kann ja sogar ich mal helfen.
@Brigitte: Auch ich versuche zu hinterfragen so gut es geht, aber das klappt leider nicht immer. Oft klingt es ganz logisch, was der Arzt einem so erzählt und hinterher zu Hause frage ich mich dann doch oft, was hat ihn oder sie eigentlich zu dieser Feststellung veranlasst. Und dann ist keiner mehr da, den ich fragen kann.
auch von mir ein herzliches Willkommen! Ich bin sicher, du findest hier im Forum viele Antworte auf deine Fragen.
Wir haben auch einen entwicklungsverzögerten Sohn, 4 1/2 J.. Inzwischen steht fest, dass er ADHS hat und er soll auch autistische Züge haben, was ich immer mehr anzweifle. Sprechen kann er auch noch nicht richtig, nur ein paar Wörter, für Fremde ist er unverständlich, für mich oft auch.
Ich wünsche dir viel Kraft und viel Spaß hier im Forum.
LG
Colienne _________________ Colienne (70) mit Cédric (01/00) und Miguel (12/01) (ADHS, atypischer Autismus, Sprachentwicklungsverzögerung)
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