Unser Gehirn ist ein Computer, der Erfahrungen (sensomotorisch, körperliche, geistige, psychische, gefühlte, emotionale und gewiß noch mehr) abspeichert und verknüpft. Wenn nun ein Kind so eingeschränkt ist, das es viele Erfahrungen garnicht machen kann, müssen wir es dann nicht so fördern, dass möglichst viele Erfahrungen gemacht werden können....
Du sprichst mir aus der Seele.
Mit diesem Thema müssen wir uns immer wieder rumschlagen. Da Manuel so schwerstbehindert ist, er kann körperlich nichts, auch nicht sprechen, ist aber geistig voll dabei und weiß um einiges mehr als viele "gesunde" Menschen. Leider wird immer wieder versucht ihm seine Intelligenz wegen seiner schweren Körperbehinderung abzusprechen.
Ich erkläre es immer so, wenn ich ein Strickmuster lese, sieht es zuerst aus wie ein Buch mit sieben Siegeln, also sehr kompliziert, nehme ich die Stricknadeln in die Hand ist es ganz einfach. Nur Manuel kann die Stricknadeln nicht in die Hand nehmen.
Dein oben geschriebenes würde ich gerne als Argumentationshilfe nehmen, wenn es wieder darum geht, wenn Manuels Intelligenz in Frage gestellt wird, z. B. vor Gericht.
Leider richtet sich danach zum Teil auch die Förderung.
Da Manuel vieles in der Schule nicht lernen konnte, da die Förderung fehlte und auch heute nicht lernen kann, da er nun in eine Förder- und Betreuungsgruppe der Lebenshilfe musste (es gibt hier nichts anderes) suche ich nach weiteren Fördermöglichkeiten hier zu Hause.
Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Ein wahres Wort gelassen ausgesprochen und jeder Politiker, Arzt und Pädagoge sollte sie sich auch zu Herzen nehmen. An welche Körperbehinderten-Schule geht denn Deine Tochter? Ich kenne nämlich aus dem Hospiz auch einige Kinder ohne Sprache, die zur Schule gehen. Vielleicht kann ich helfen oder Kontakte vermitteln.
Liebe Grüße und alles Gute für Euch.
Daniela _________________ Johanna *11/2002 (Hirntumor an Stammhirn und Rückenmark Astrozytom Grad I, Trachealkanüle), † 09.08.2011
Mascha *9/1999, Hirnreifungsstörung, Angststörung, selektiver Mutismus, teilkontrakte Spitzfüße
Verfasst am: 30.04.2006, 21:52 Titel: An Petra b. - Geistige Behinderung
Liebe Petra,
schön, wenn etwas als Argumentationshilfe dient.
Ich habe es bisher immer vermieden, Zoe einstufen und testen zu lassen, damit uns sowas nicht passiert, hoffentlich kommen wir nicht doch einmal dorthin, ich denke, es ist an der Zeit, diese Diskussion in großem Stil zu führen, mit Fachleuten und Eltern, denn daraus würden sich auch für die Förderung und den Unterrricht viele Konsequenzen ergeben.
Viele Grüße
Simone
Hallo Anna,
Zoe benutzt das Gerät Tellus, ein Touchscreen auf Windowsbasis mit der Software Mind Express mit Symbolen und Schrift, es hat also einen dynamischen Display und eine gute Sprachausgabe.
Zoes Schule benutzt es nicht, denn die LehrerInnen kennen sich damit nicht aus, und wollen es auch nicht, Zitat: Blisstafeln waren doch immer gut genug, warum sollte es denn nicht auch bei Zoe damit gehen, sie gehen davon aus, dass Zoe das Kommunikationssystem garnicht kapiert, aber sie bieten ihr auch nichts an, garkeine Phantasie und Erfahrung im non-verbalen Bereich.
Zoes Lehrerinnen haben - wie ich es empfinde - sowieso nicht das freundschaftlichste Verhältnis zu elektronischen Medien und auch nicht das große Vertrauen in die Potentiale der Kinder.... Wir sind seit Zoes Einschulung hin- und hergerissen, es gibt hier in Berlin keine guten gehbaren Alternativen... Jetzt nach 4 Jahren werden wir im Sommer Zoe von der Schule nehmen, keine Ahnung wohin.
Wir sind ganz schön frustriert, aber gewiß nicht die Einzigen, auch an Zoes lSchule hat das Unverständnis eine gewisse Tradition, Zeit für Umdenken, Schulungen für LehrerInnen in UK und politische Statements. Und für neue Schulsysteme und Pädagogik, nicht nur im Behinderten-Bereich.
Grüße Simone
Hallo Petra,
noch eine Frage, was hat denn Manuel? Wie alt ist er und was sucht ihr für Fördermöglichkeiten? Ginge denn Unterstützte Kommunikation? Versteht Manuel was ihr sagt?.
Gruß Simone
Liebe Petra,
blöde Frage, kann ich doch nachlesen in deinen alten Beiträgen, habe ich inzwischen auch getan.
Wir waren auch in Ungarn, aber nur 1 Mal, ich mache den Rest zu Hause.
Und das mit der Unterstützten Kommunikation habt ihr ja auch durch und Manuel ist ja inzwischen ein junger Mann. Zoe hat auch eine tetraspastische Athetose, ist sehr humorvoll, klug, hat großen Wortwitz und ist hartnäckig, wenn sie etwas will, zum Glück. Ja die Athetosen haben das oft, diese heftige Einschränkung mit der Wachheit und leider auch mit der sprachlichen Einschränkung, und trotzdem so viel zu sagen. Auch wir hoffen auf das Fraunhofer Institut und die Hirnströme...
Sie ist körperlich ziemlich sehr fit, kann prima sitzen im Rollstuhl kaum Gurte und so und wir laufen nach Möglichkeit und viel Hilfe oft mit ihr, schon für die Hüftgelenke. Versucht viel zu greifen, wir helfen ihr wo es geht, damit sie viele Erfahrungen machen kann, denn alleine kann sie garnichts festhalten oder etwas machen.
Alles Gute für euch und Manuel, ich hoffe, es geht ihm gut, habe natürlich nicht alles gelesen, nur das ganz alte vom Anfang.
Viele Grüße
Simone
es wundert mich schon extrem, dass so viele Kinder auf Anregung ihrer Eltern oder durch Unterstützung außerschulischer Therapeuten mit Kommunikationsgeräten versorgt werden, die Fachliteratur zum Bereich der UK immer vielfältiger wird, an den Unis und PHs auch wichtiges Element der Ausbildung ist (oder wird), während sie an vielen Schulen noch immer geschmäht wird aus oft fadenscheinigen Gründen. Und dann ist es für viele Kinder, die eben, wie Petra so schön treffend schreibt, die Stricknadeln nicht selbst in die Hand nehmen können, fast unmöglich, an die benötigte Kommunikationsförderung zu kommen - eine Auswahl an Schulen gibt es ja oft nicht.
Ich wünsche euch, dass ihr eine geeignete Schule für Zoe findet, damit sie ihren Ansprüchen entsprechend lernen und gefördert werden kann!
habe gerade erst deine Antwort gelesen, manchmal verliert man doch etwas den Überblick.
Zitat:
ist hartnäckig, wenn sie etwas will, zum Glück.
Zitat:
,und trotzdem so viel zu sagen
Genau, dass ist bei Manuel auch so.
Zitat:
Wir waren auch in Ungarn, aber nur 1 Mal, ich mache den Rest zu Hause
Für Manuel war Petö nicht das Richtige. Wenn kein Grundstock da ist auf dem aufgebaut werden kann, funktioniert es nicht.
Ja das Greifen, wenn wenigstens das ginge. Manuel strengt sich so an wenn er greifen will und wenn er es dann tatsächlich schafft, seine Hand zum Teil zu bekommen, geht sie bevor er greifen kann zu.
Manuel geht es soweit gut, leider war nach der Schule nichts anderes möglich, als ihn über Tag in die Lebenshilfe zu geben.
Der Anfang fiel ihm sehr schwer, aber er will auch nicht den ganzen Tag zu Hause bleiben, wäre ja auch gar nicht möglich.
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