Verfasst am: 09.12.2004, 11:46 Titel: Ab wann einen Rolli - vielleicht eine Frage an die Profis?
Hallo,
ich wollte mal fragen, ab wann Eure Kinder einen Rolli bekommen haben?
Der Hintergrund: Ich wollte mit Stella (2,5 J., alternierend krabbelnd und sich - zwar noch wackelnd- hochziehend und vorsichtig an Möbeln seitwärts bewegend, im Sanitätshaus einen Getrainer probieren. Uff, was für ein Satz. Der Winnie Run war leider zu groß. Der Rehaberater vom Sanitätshaus meinte, dass sie teilweise schon 2 jährige mit einem Rolli versorgen. Wir haben dann Stella mal spaßeshalber in einen gesetzt und sie setzte ihre Hände richtig an und bewegte sich - langsam - vorwärts. Wir haben den Rolli jetzt hier zu Hause zum Ausprobieren.
Abgesehen davon, dass alle Kinder aus der Nachbarschaft den Rolli supercool finden und auch so einen zu Weihnachten haben möchten (sehr zum Entsetzen ihrer Eltern), bin ich mir unsicher, ob es noch zu früh ist und ob ich ihr das Laufenlernen dadurch schwerer mache.
Andererseits bewegt sich Stella im Rolli zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her und kann jetzt die oberen Schubladen untersuchen und ist natürlich auf Augenhöhe mit den anderen Kindern. Da wäre auch für draußen interessant, so ist sie nicht darauf angewiesen, dass wir Sie im Rehabuggy hinfahren. Auf der anderen Seite kann sie den Rollstuhl natürlich noch nicht so gezielt einsetzen. Dafür ist es wahrscheinlich sowieso noch zu früh. Das koordinierte Dreiradfahren beginnt ja auch erst mit 2.
Lange Schreibe, kurzer Sinn. Gibt es irgendwelche Erfahrungen diesbezüglich? Haben Eure Kinder das Laufen aufgegeben, als sie in den Rolli gesetzt wurden? Oder haben sie wahnsinnige Entwicklungssprünge gemacht, weil sie plötzlich auf Augenhöhe waren?
Was sagt Ihr KGs ? Schadet der Rolli dem Rücken?
Meine KiÄ kann ich nicht so direkt fragen, die macht gerne das, was ich ihr vorschlage;-)) Die Neurologin meinte, dass Stella auf dem Schoß wie eine normale 2-jähige aussieht (das war zwar sehr nett, hat aber mein Vertrauen in sie nicht unbedingt bestärkt).
Vielen Dank für Euer Brainstorming
Liebe Grüße _________________ Sabine mit Stella (06/2002, fröhliches Rollikind, globale Entwicklungsverzögerung unbekannter Ursache, spricht nicht, hat aber ein gutes Sprachverständnis, Schluckstörung)
bei mir regt sich das schlechte Gewissen das ich Dir dazu noch nicht gemailt habe.
Wir hatten bereits vor einem Jahr die Idee mit dem Rollstuhl für Neis, da war er 2 Jahre. Die Reha-Hilfsmittelberatung Beratung war strikt dagegen. Ein Rollstuhl würde dem Laufen entgegenwirken...
Im Frühjahr hatte Neis dann die Möglichkeit einen Meyra-Brix auszuprobieren. Das kleinste aller Modelle und hatte binnen weniger Minuten den "Dreh" raus.
Wat machen wir denn nu?
Also sind wir zu unseren Kinderarzt, wir hatten keine Lust wieder mit dem SPZ zu diskutieren, un d haben uns den Rolli verordnen lassen. Nach dem zähen Hickhack mit der PKV haben wir dann den Rolli im September bekommen.
In der Wohnung wird er fast nie benutzt, erstens weil ich das Teil nicht immer 3 Etagen schleppen kann, inkl. Neis und zweitens weil Neis sich innerhalb der Wohnung selbst fortbewegen kann.
Der Rollstuhl ist bei uns fast ausschließlich im Ausseneinsatz und natürlich im Kindergarten. Mit dem Kindergarten gibt es klare Absprachen wann Neis im Rollstuhl sitzt, meist bei den Mahlzeiten und wenn er seine Sachen selbstständig holen möchte. Zum Spielen ist er nach wie vor auf dem Boden, es sei denn er macht Freiarbeit am Tisch.
Selbst die Damen vom SPZ haben das nun akzeptiert. Unsere Vojtatherapeutin achtet jedesmal auf Veränderungen der oberen Wirbelsäule und stellt gegebenenfalls ihr Programm um.
Das Laufen hat er nicht aufgegeben, im Gegenteil, sein Lieblingssatz lautet:
"Mamaaa weeeißt Du, ich kann nicht laufen, daß muß ich noch läärnen"
Sein Aktionsradius hat sich vergrößert und die Kommunikation mit den anderen Kindern hat sich komplett verändert.
Den Aktionsradius kannst Du gut testen wenn Du mit dem Kind im Rollstuhl auf den Weihnachtsmarkt gehst boah dat war anstrengend, wenn das Kind seine Richtung selbst bestimmen kann und dann andere Kind immer das Gegenteil will.
Wir haben ihm ein Stück Selbstständigkeit gegeben, da sind wir uns ganz sicher.
Eine Mail kriegst Du jetzt aber nicht mehr, wenn Du Fragen hast weisst Du ja wie Du mich erreichst...
Liebe Grüße aus Halle _________________ dieMeike mit
der Große, an der Grenze zur leichten Schwerhörigkeit ADS und LRS
Der Kleine, Muskelhypoton,
unklare Genese, einseitiger HG Träger
"Nicht behindert zu sein, ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das uns jederzeit genommen werden kann."
vergiss das schlechte Gewissen;-))
Die normale Fortbewegungsart für Stella ist das Krabbeln. Sie läuft mit diesem alten Gehwagen ein paar Schritte, aber das ist im Prinzip sehr anstrengend für sie. In dem Moment konzentriert sie sich nur auf das Laufen und nicht auf andere Sachen. Das wäre im Rolli sicher anders.
Es ist aber nicht so, dass Stella den Bogen ohne weiteres raus hat. Sie bleibt schon öfter mal hängen und auch die Vorwärtsbewegung ist noch recht langsam. Sie bewegt sichmanchmal halt auch eher zufällig in eine Richtung und entdeckt dort etwas. Ansonsten würde ich nicht zögern. Konnte Neis denn sofort Kurven fahren und trifft sein Ziel?
Weihnachtsmarkt finde ich auch ohne Rolli anstrengend. Stella will ständig Karussell fahren, Joshua fühlt sich schon fast zu alt dafür und will immer Pommes essen. Bereits mit einem Glühwein intus finde ich das Gedrehe, Geblinke und Schlumpfweihnachtslieder sehr nervenaufreibend. Vielleicht sollte ich das nächste Mal einen zweiten Glühwein trinken?
Liebe Grüße aus der Partnerstadt _________________ Sabine mit Stella (06/2002, fröhliches Rollikind, globale Entwicklungsverzögerung unbekannter Ursache, spricht nicht, hat aber ein gutes Sprachverständnis, Schluckstörung)
Wir haben nun auch seit 3 Wochen einen Rolli und unser Sohn ist erst 19 Monate alt! Leider wird er nie laufen können, daher bestand auch für uns keine Bedenken, mit dem Rolli was falsch zu machen. Aber ich muss sagen, er kommt damit super klar, kann sich auf glattem Boden schon fast perfekt bewegen (am liebsten beim Einkaufen - das macht ihm besonders Spaß jetzt). Draußen fällt es ihm noch etwas schwer, weil er nicht ganz so kräftig in den Armen ist.
Für ihn ist es eine sehr große Bereicherung - er ist nun wenigstens ein bisschen selbständig. Ich kann den Rolli so früh nur empfehlen!
Wir wohnen übrigens auch in KA! Bei welchem Sanitätshaus seid ihr denn?
Kannst dich ja mal melden
LG Katrin
Philip ist Rollifahrer, seit er 4,5 Jahre alt ist.
Rückblickend ist das viel zu spät gewesen, spätestens zum Kindergartenanfang wäre bei ihm eine Rolliversorgung angezeigt gewesen, damit er sich unter den anderen Kindern von Anfang an selbstständig hätte fortbewegen können.
Hinterher ist man eben schlauer
Auch kann ich bei Philip nicht sagen, dass der Rolli ihm das Laufenlernen schwerer oder unwichtiger gemacht hätte, denn der Drang zum Hochkommen und Laufen war immer ganz unabhängig vom Rolli vorhanden. Wir haben es immer der jeweiligen Situation angepasst: Längere Tour oder Kindergarten mit dem Rolli, nur eben zur Garage oder zur Oma, da reicht auch der Rollator. Zuhause bewegt sich Philip noch immer am liebsten im Krabbeln fort.
so nah? Wo wohnt Ihr denn? Wir wohnen in der Nordstadt und sind bei Storch+Beller. Eigentlich bin ich sehr zufrieden dort, aber natürlich möchte ein Sanitätshaus die Sachen auch verkaufen;-))
Viele Grüße durch die Stadt, vielleicht sollten wir uns mal auf einen Glühwein treffen, um beim Thema zu bleiben. _________________ Sabine mit Stella (06/2002, fröhliches Rollikind, globale Entwicklungsverzögerung unbekannter Ursache, spricht nicht, hat aber ein gutes Sprachverständnis, Schluckstörung)
Hallo Sabiene
Mein Sohn Tobias inzwischen 3,5 Jahre alt hat schon seinen zweiten Rollstuhl . Den ersten hatt er bekommen da war er gerade ein Jahr alt . Ich bereuhe nicht das ich im so früh einen Rolli besorgt habe . Nun Tobias ist querschnittgelähmt und wird wohl immer Rollifahrer bleiben . Anfangs haben wir ihn nur für drausen und unterwegs benutzt damit er nicht faul wird aber nach und nach stärkte sich dadurch auch sein selbstbewustsein.
Ich würde es auf jedenfall wieder so früh unterstützen .
Liebe Grüße Tanja
so nah? Wo wohnt Ihr denn? Wir wohnen in der Nordstadt und sind bei Storch+Beller. Eigentlich bin ich sehr zufrieden dort, aber natürlich möchte ein Sanitätshaus die Sachen auch verkaufen;-))
Viele Grüße durch die Stadt, vielleicht sollten wir uns mal auf einen Glühwein treffen, um beim Thema zu bleiben.
Hallo ich bin so gesehen eine "ältere" Mutter, weil mein behindertes Kind schon zwölf ist, auch aus KA.Ich habe noch zwei weitere Kinder, nichtbehindert, zwei Mädels. Max war in Rintheim im Kindergarten für Körperbhinderte und ist jetzt in Langensteinbach in der Schule für Körperbehinderte. Seinen Rollstuhl hat er erst mit drei Jahren oder so bekommen, und es war sehr schwer damals, einen schmalen Rollstuhl zu bekommen.
Und was ich bereue, ist dass er erst sehr spät einen Doppelgreifreifen bekommen hat, weil er kann nämlich nur mit einer Hand gut greifen. Aber seitdem ist er richtig aufgeblüht.
Ich finde immer , wenn ein Rollstuhl einem Kind neue Perspektiven auftut, ist es gut.
Ute
zu meiner Zeit (Baujahr 1965) gab es leider noch keine Kinderrollstühle Im Alter von 7 Jahren bekam ich dann meinen ersten Rollstuhl, der leider viel zu groß war, so dass ich wie ein Schluck Wasser in der Kurve darin saß und auch keine Chance hatte die Greifreifen, die an dem Rollstuhl waren, mit den Händen zu erreichen.
Alles in allem eine sehr unbefriedigende Situation, an die ich nur ungern zurückdenke. Die Entwicklung in Richtung selbständiges Handeln war gleich Null.
Den ersten Rollstuhl, der richtig angepasst war und mit dem ich dann "um die Häuser ziehen" konnte, bekam ich mit 13 Jahren. In meinen Augen viel zu spät!
Denkt immer daran, ein Rollstuhl ist ein "Hilfsmittel", welches einen Nachteil ausgleichen soll. Diese Chance sollte man einem Kind so früh wie möglich geben.
Liebe Grüße und einen schönen Tag noch
Birgit _________________ Idealismus. Die Fähigkeit, die Menschen so zu sehen, wie sie sein könnten, wenn sie nicht so wären, wie sie sind.
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