Verfasst am: 02.04.2006, 22:00 Titel: Vojta-Therapie ist keine Foltertherapie!
Hallo!
viele sind frustriert und gestresst und meist sehr ungücklich mit der Vojta-Therapie. Das kann ich gut verstehen, muss aber nicht sein!
Ich bin selbst Vojta-Therapeutin und möchte euch sagen, diese Therapie ist sehr sinnvoll, da sie das ganze Nervensystem, den Kreislauf und die gesamte Muskulatur aktiviert und reguliert. Bei der Behandlung der Kinder muss man sich nicht quälen, es darf auch nicht wehtun, sonst bewirkt es garnichts! Wenn man überzeugt ist, dass man mit dieser ganzheitlichen Therapie seinem Kind hilft, dann ist das eine wunderbare Ergänzung in der engen Beziehung zwischen Eltern und Kind! Ich kann aktiv und effektiv meinem Kind helfen, dass es entweder gesund wird, oder eine bessere Lebensqualität hat, je nach Schweregrad des Krankheitsbildes!
Kinder die eine motorische Entwicklungsverzögerung haben, brauchen insgesamt viel kürzer Therapie als wenn ausschließlich sie nach Bobath behandelt werden. Bobath ist eine perfekte Therapie für den Umgang mit dem Kind im Alltag. Aber um gezielt auf motorische Defizite und Körperhaltungsprobleme einzugehen ist Vojta sehr sinnvoll!!!
Mein Sohn, jetzt 1 1/2, habe ich auch mit Vojta behandelt. Da die Kinder sehr viel dabei schreien können, ist es für die meisten Eltern sehr abschreckend. Dabei ist zu erwähnen, dass bei Vojta und Bobath die Kinder schreien, wenn sie sich richtig anstrengen. Bei Vojta ist es kein Schmerzschreien, sondern ein Aktivierungsschreien, und wer sein Kind kennt, der weiß das auch! Wie sollen sich die Kleinen sonst ausdrücken, wenn es für sie anstregend wird?! Kinder die schwer zu motivieren sind, für die ist es durchaus mal sinnvoll aus ihrer Reserve zu locken.
Hoffentlich hab ich euch nicht zu lang geschrieben, aber ich wollte das einfach mal loswerden, dass Vojta keine Foltertherapie ist, sondern eine sehr effektive, ganzheitliche Therapie!
Danke fürs Lesen!
Daniela
danke für Deinen Beitrag. Vojta wird ja auch hier sehr kontrovers diskutiert.
Mein Sohn (16 Monate) kriegt 2x in der Woche Vojta seit er 3 Monate alt ist. Ich bin auch überzeugt davon, dass er nicht wegen Schmerzen sondern wegen der Anstrengung schreit.
Das merke ich an seinem Verhalten in den Pausen zwischen den Übungen, die er nutzt, um mit der KG rumzuschäkern. Ausserdem lacht und winkt er, wenn wir kommen bzw. wieder gehen.
Das einzige was mir schwerfällt, ist das Turnen zu Hause. Ich krieg die Übungen einfach nicht hin, jedenfalls nicht mehr seit er grösser und kräftiger ist und erfolgreich gegen mich ankämpft. Ich stelle mich anscheinend einfach zu blöd an und frage mich manchmal, wie ein Kind, dass solche Bärenkräfte entwickelt, um sich aus den Haltegriffen rauszuschlängeln wirklich hypoton sein kann ....
Gruss, Anja _________________ Anja mit Tochter (5/02) BPES - Blepharophimose-Ptose-Epikanthus inversus-Syndrom, V.a. HB und Sohn (11/04) tiefe Analatresie mit perinealer Fistel, Hüftdysplasie, muskuläre Hypotonie, ehem. KISS, rezividierende Paukenergüsse und obstruktive Bronchitis
das wir die Vojta-Behandlung nach 5 Monaten abgebrochen haben liegt also nur daran, dass wir unseren Sohn nicht richtig kennen. Na vielen Dank aber auch!
Schönen Gruß
Thomas
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Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
REHAkids - Das Forum für besondere Kinder
ich muss ergänzen, dass unser Sohn nach 5 Monaten Vojta nicht einen einzigen Fortschritt gemacht hatte, obwohl wir täglich mit ihm geübt haben. Die Fortschritte kamen seltsamer Weise erst dann, als wir schon lange wieder bei Bobath gelandet waren. Insofern halte ich die Vojta-Therapie für kein Wundermittel - sie kann kein Kind gesund therapieren.
Mit dem Schreien hatte ich kein Problem, da unser Sohn nach der Therapie meistens gut drauf war und nie lange meckerte. Das hat mich nie gestört. Wenn jedoch eine Therapie keine Erfolge bringt - zumal wenn man sie schon fast ein halbes Jahr lang durchführt - lasse ich es halt... Und versuche etwas anderes...
Lieben Gruß
Sabine _________________ Unsere Vorstellung? -> hier klicken
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also ich fand Vojta für mich sehr belastend. Kann natürlich auch daran liegen, dass an mir als kaufmännische Angestellte nicht wirklich eine Krankengymnastin verloren gegangen ist. Ich habe zwar die gezeigten Griffe wohl irgendwie zu Hause auch richtig reproduziert, nur die Wirkung war zu Hause anders als bei der KG. Mein Sohn hat sich entweder gegen meine Behandlung gewehrt und heftig geschrien, oder er lag einfach nur rum und hat auf die Matte gepinkelt. Außerdem hat sich die gesamte Familie von mir abgewendet: "mach du mal, aber wir können das Geschrei nicht hören".
Dann hatte ich auch nicht wirklich den Eindruck, dass mein Kind lernen wollte, sich auf die Seite und auf den Bauch zu drehen.
Letztendlich habe ich jeden Vorwand genutzt, nicht zu turnen: Zimmer zu kalt, keine Zeit, Kind ist müde, Kind hat gerade gegessen, Kind scheint eine Erkältung zu kriegen. Ich hatte permanent ein schlechtes Gewissen - bis ich zugab, es nicht wirklich machen zu wollen und die KG dann eben Bobath machte.
Jérôme soll im August zur Internatsschule gehen und die KG meinte, Vojta wäre bestimmt gut. Jetzt im Kiga wird er nach Bobath beturnt. Von mir aus können sie in der Schule gerne nach Vojta turnen, vielleicht lässt sich Jérôme von der Überzeugung der KG anstecken. Aber er merkt auch ganz genau, dass ich nicht überzeugt bin. Kinder wie er kriegen so etwas ganz schnell raus.
Ich könnte bestenfalls Vojta mit ihm turnen, um ihn für die Nächte zu bestrafen, in denen er mich nicht zur Ruhe kommen lässt (sind 'ne ganze Menge) - aber das wäre wohl nicht der Sinn der Übung.
Nee, Vojta ist nix für mich - man muss dran glauben und ich kann es nicht.
Trotzdem, herzlich willkommen im Forum.
Liebe Grüße _________________ Claudia mit Jérôme (*4/2000, HC, blind, psychmot. Retardierung) aus Gelsenkirchen
Ich denke, was hier zum Ausdruck kommen sollte ist, dass Vojta keine "Foltertherapie" sein soll (wie der Titel wohl sagen soll...)
Dem stimme ich zu, und wer mich kennt, der hat meine Beiträge dazu gelesen....
Letztendlich ist es wie mit einer Waagschale:
Die eine Hälfte ist Bobath, die andere ist Vojta.
Man kann nun jede Menge Argumente "Pro und Contra" in die Waagschalen werfen. Und dabei wird es immer mindestens eine Unbekannte geben:
- das Kind selbst (!)
- die Eltern
- den Therapeuten
etc.
Da müssen sicherlich mehrere positive Faktoren zusammenkommen, damit es zu einem Erfolg kommt. Aber es gibt auf jeden Fall auch die Beispiele von Therapien, bei denen die Kinder sich nicht verbessern! Wobei ich da auch noch hinzufügen möchte, dass ein Großteil des Erfolges daran liegt, wie gut der Therapeut die Mutter (Vater) motivieren und (fachlich) überzeugen kann, dass die Therapie gut ist.....
Nix für Ungut, ich ziehe vor jedem den Hut, der diese Therapie mit seinem Kind macht oder versucht hat.....
@Thomas: (eine kleine Randbemerkung)
ich lese den Beitrag von Daniela nicht so, dass eine "Vorwurf" umschrieben wird, dass "man sein Kind nicht gut genug kennt, weil man mit ihm die Behandlung abgebrochen hat". Ich kann Deinem Gedankengang hier nicht folgen...
Es geht hier - meinem Verständnis nach - mehr um die Unterscheidung des Schreitones im Sinne von "anstrengend = schmerzhaft" und weniger darum, dass man bei einem "Behandlungsabruch sein Kind nicht ausreichend kennt"!
Ich weiß nicht ob die Berufskollegin es genauso gemeint hat, aber ich lese es jedenfalls so!!!
@Daniela:
Bei dem Vergleich Bobath%Vojta kommt mir Bobath (bis auf das "Anstrengungsschreien") etwas zu schlecht weg....hier ist die Formulierung etwas unglücklich gewählt.
Klar gibt es ganz klare Indikationen für Vojta (das steht außer Frage), aber ich denke man muss die "Notausgangstür" all denen offen halten, die es wirklich versucht haben, wo es aber nicht gelungen, ist Erfolg zu haben!
Diesen versteckten "Absolutheitsanspruch" halte ich nicht für "Vojta-förderlich", denn sonst würde - um auf mein Anfangsbeispiel zurückzukommen - die eine Waagschale viel zu tief hängen......
In diesem Sinne, Tobias _________________ Tobias Bergerhoff / Kinderphysiotherapeut
>>>Und du fühlst, dass du lebst
Weil du tanzt und fliegst, du schwebst
Weil du lachst, weil du weinst und liebst
Du bist ein Wunder
Du bist ein Wunder<<<
Andreas Bourani "Wunder"
viele sind frustriert und gestresst und meist sehr ungücklich mit der Vojta-Therapie. Das kann ich gut verstehen, muss aber nicht sein!
[...]
Bei Vojta ist es kein Schmerzschreien, sondern ein Aktivierungsschreien, und wer sein Kind kennt, der weiß das auch!
Ich bin der Meinung, dass Jan-Paul bei der Therapie gelitten hat. Und daher habe ich es auch abgelehnt ihn selber zu behandeln. Das hat Sabine gemacht.
Aber wenn ich das obige lese, heisste es ja, dass ich meinen Sohn nur nicht richtig kenne...!
Ausserdem störte mich neben dem Schreien, der Druck, der von seiner damaligen KG gegen uns aufgebaut wurde. So sollten wir uns einen Therapietisch kaufen, wir müssten kontinuirlich und mehrfach täglich die Übungen machen. Wenn wir das nicht machen, sind wir schuld, wenn es nichts bringt.
Tobias hat folgendes geschrieben:
ein Großteil des Erfolges daran liegt, wie gut der Therapeut die Mutter (Vater) motivieren und (fachlich) überzeugen kann, dass die Therapie gut ist.....
Da hat unsere damalige KG wohl 100%ig versagt.
Schönen Gruß
Thomas _________________ Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
REHAkids - Das Forum für besondere Kinder
Wenn wir das nicht machen, sind wir schuld, wenn es nichts bringt.
dann würde ich Dir beipflichten....dann hat sie wohl nicht das erreicht, was erreicht werden sollte...und dann macht es auch keinen Sinn.
Dennoch gibt es immer mal wieder Kinder, für die Vojta nix ist. Das hängt aber sicherlich nicht ausschliesslich vom Kind ab!
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Andreas Bourani "Wunder"
Ich denke auch das es ein Zusammenspiel zwischen Kind, Eltern, Therapeut und Therapie ist!
Fiona bekam auch LG nach Vojta, wir haben uns redlich bemüht auch zu Hause zu "turnen" und irgendwie kamen wir nicht vorwärts! Als uns unsere Therapeutin aber lobte wie toll wir wohl in den Weihnachtsferien mit Fiona "gearbeitet" hatten, denn sie hatte ja so tolle Fortschritte gemacht, haben wir die Therapie abgebrochen, denn wir haben 4 Wochen lang nicht einmal an Vojta gedacht!
Es ist halt so ein schmaler Grad was macht die Therapie, was wäre eh von alleine gekommen!
Ich find es halt wichtig das man hinter der Therapie steht die man macht! _________________ 3 Jungs 91,92,02 und ein Mädchen 01 -
also ich "turne" 3x am Tag Vojta mit Joost und bin sehr überzeugt von dieser Therapieform. Joost hat sich ,für seine Verhältnisse, sehr gut entwickelt und wir konnten fast immer Fortschritte sehen. Die Therapie erhält er seit dem er ein viertel Jahr alt ist ,immer mit Unterbrechungen, wegen der vielen Operationen.
Joost hat seine Rückschritte immer sehr schnell wieder aufgeholt.
Nun machen wir seit ca. einem halben Jahr zusätzlich Bobath und Castillo Morales und versuchen dies so oft es geht auch in den Alltag einzubauen.
Auch mit Bobath und Castillo Morales hat Joost wieder einen riesen Satz nach vorne gemacht. Zur Zeit sehe ich keinen Grund Vojta fallen zu lassen, er schreit zwar heftig und viel, läßt sich aber gut beruhigen.
Was Joost alles ohne die Therapie gelernt hätte- keine Ahnung, will ich auch gar nicht wissen!
Unsere Therapeuten sind stets auf der Motivationsschiene!
Insgesamt sind wir super zufrieden mit seiner und unserer Situation.
In meinen Augen ist Vojta ein riesiger Vorteil für Liegekinder, da sie sehr viel körperliche Anstrengung durch Vojta erfahren und sehr belastbar werden. Joost ist z.B. extrem selten krank.
LG
Anke _________________ Anke mit Joost (*16.03.04), massiver HC, massive Hirnfehlbidung mit Nichtanlagen, ICP, blind und seinen großen Schwestern Anna (*95), Clara (*02) und Lucas (*08) und natürlich Papa Dirk
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