Verfasst am: 10.03.2006, 17:53 Titel: Ich hab Schwierigkeiten mit Vojta
Hallo Ihr! Wir sollten mit unserem Kleinen (91/2 Monate), muskuläre Hypotonie und V.a. ZKS - wird noch weiter abgeklärt Vojta machen. Bisher waren 2 Termine bei der KG.
Jetzt ist es so, daß wir in seinem bisherigen Leben bisher alles unternommen haben, damit der Kleine möglichst wenig weint; z.B: viel im Tragetuch getragen, nie schrein lassen zum Einschlafen, eine Zeitlang mal gar nicht mehr mit ihm Auto gefahren, weil er da so geweint hat - ist jetzt besser geworden u.s.w.
Und jetzt sollten wir Vojta machen, und er schreit dabei. Das fällt mir so wahnsinnig schwer! Das ist quasi das Gegenteil davon, was wir eigentlich als richtig angesehen haben (ihn also nicht weinen lassen), zumindest im ersten Jahr, damit er möglichst viel Vertrauen zu uns und in die Welt aufbaut. Was anderes ist es natürlich ,wenn er dann in Trotzalter kommt, da geht es um Grenzen, meiner Meinung nach nicht mit der Situation jetzt zu vergleichen. Jetzt habe ich das Gefühl, wenn ich die Übung mache, er sieht mich so hilfesuchend an, und ich helfe ihm nicht. im Gegenteil.
Auf der anderen Seite leuchtet mit das Prinzip ein, ich hab auch schon ein Buch darüber gelesen, und ich möchte ihm ja helfen und vor allem auch nichts versäumen!
Kennt jemand diesen Zwiespalt? Und wie geht ihr damit um?
ich weiß genau, was Du meinst. Unser Umgang mit Linn ist auch so, wie Du es beschreibst. Wir haben sie viel getragen, sie überhaupt viel am Körper gehabt, weil sie das am liebsten mochte. Sie hat vor der Tracheotomie ständig gekämpft, mit sich und der Welt. So haben wir ihr wenigstens dabei die Nähe gegeben, dass sie in ihren Problemen, wenn wir sie nicht beenden konnten, sich nicht alleine fühlen muss. Wir haben ein großes Bett mit 2x2 m durchgehender Matratze und schliefen alle zusammen, damit keiner alleine nachts sein muss und sich immer ankuscheln konnte (jetzt geht es nicht mehr, weil Linn nachts einen Pflegedienst braucht). Durch ihre extremen Wahrnehmungsstörungen hat Linn auch nicht viel Halt im Leben, aber unsere ständige Anwesenheit und das sofortige Eingehen auf ihre Bedürfnisse machen es ihr sicher leichter. Und wir wollen das auch genau so.
Wir machen auch Vojta und Linn findet es nicht immer gut. Es strengt sie sehr an, und sie weint auch oft dabei, allerdings ist es ein anderes Weinen als bei Schmerzen oder innerer Unruhe, die sie oft hat. Wenn es zu schlimm wird, breche ich auch ab und lasse es für dieses Mal eben bei einer Übung. Ich kann es für mich einfach nicht. Beim nächsten Mal ist es wieder besser und effektiver. Linn lacht oft danach und strampelt und die Fortschritte (stabilerer Rumpf, freie Armbewegungen) geben ihr auch eine bessere Möglichkeit sich zu bewegen, was ihr auch gut gefällt.
Wir kuscheln auch zwischen den Übungen immer und hören auch Musik, es ist eingebunden in das normale "Programm", sodass ich versuche, eben kein besonderes Ding draus zu machen, irgendwie geht es, aber wenn nicht, dann wird es an dem Tag eben einmal weniger.
LG
Nellie _________________ Linn *2004, Intensivkind mit schwerster Mehrfachbehinderung durch eine Gehirnfehlbildung namens pontocerebelläre Hypoplasie Typ 2a (PCH 2a), Sondenkind mit Button, Epilepsie, Tracheostoma, nachts beatmet, schwere Wahrnehmungsstörung und ein zauberhafter roter Lockenkopf mit festem Willen und Ann *06/09, fröhliche Minimaus --> unsere Vorstellung und --> Bilder von uns
Hallo Doris,
ich würde erst mal mit dem Kinderarzt reden, ob es unbedingt Vojta sein muss oder ob auch Krankengymnastik nach Bobath für euren Sohn denkbar ist.
Wir hatten damals eine Krankengymnastin, die in beidem ausgebildet war und mit Michelle Krankengymnastik nach Bobath machte. Hätte dies nicht angeschlagen, wäre sie zu Vojta gewechselt.
Der Vorteil von Bobath ist, dass das Kind nicht dabei weint, meist hat es sogar Spaß dabei. Der Nachteil ist, dass man die Bewegungen und Haltungen des Kindes ständig kontrollieren und die Übungen sehr häufig durchführen soll.
ich kann jetzt nur von unserer KG erzählen, sie ist auch in Vojta und Bobath ausgebildet, bei Leni wird aber gerade wegen dem Verdacht auf zentrale Hypotonie, was ja immer noch im Raume steht und sich die Ärzte drüber streiten ob muskulär oder zentral, Vojta gemacht um die Nervenbahnen zu stimulieren.
Sie sagt, dass manchmal auch "nur jemand auf der Leitung steht" und sie nicht immer kaputt sein muss.
Leni schreit bei der KG wenn sie bei der Therapeutin gemacht wird, zuhause hab ich eher manchmal das Gefühl dass sie einschläft. Ob es jetztwas gebracht hat weiss ich nicht, iich denke eher nicht weil sie ja zuhause kaum mitmacht.
Ich hab auch mal nachgefragt, eine Freundin (mit einem fitten Kind), Sozialpädagogin!!, hat mal behauptet, ich würde das Urvertrauen zwischen mir und Leni durch Vojta zerstören. Meine Therapeutin sagt genau des Gegenteil, das geteilte Leid schweisst Mutter und Kind noch enger zusammen.
Ich glaube meiner Therapeutin.
Meine KG meint dass bis zum 1. Lebensjahr meistens mit Vojta angefangen wird.
Also nicht Verzagen wenn die Übungen mal nicht so hinhauen. Das ist auch immer sehr Tagesformabhängig. Wir turnen jetzt schon 6 Monate.
Wenn Du noch fragen Hast kannst Du mir gerne schreiben.
Liebe Grüsse
Saskia _________________ Saskia mit Timo 03, gesund und Leni 5/05, Muskelhypotonie, Hirnatrophie, neurodegenerative Erkrankung, Rett Syndrom
und Baby Marie 05/08
ich kann dich gut verstehen. Auch wir haben nach Vojta geturnt, allerdings nur leichte Übungen und ohne Schreien. Allerdings sprach Felix auf Bobath viel besser an.
Unsere KG haben bei Felix immer darauf geachtet seine vorhandenen Anlagen zu fördern, um ihn in Bewegung, drehen, stehen etc zu bringen. Es dauert bei Bobath sehr viel länger, aber wir üben eben gerade stehen.
Meine Therapeutin meinte gerade heute, dass Felix dabei einen eher untypischen Weg gegangen ist. Er hat sich auf seine Möglichkeiten konzentriert und setzt diese nun entsprechend ein. Er holt viel Kraft aus den Beinen. Die Kontrolle vom restlichen Körper müssen wir jetzt noch fördern. Damit hätte sie nie gerechnet.
Ich achte bei Felix darauf, dass er nicht weinen muss, denn er hat genug auszuhalten.
Ich will damit sagen, dass man viele Wege gehen kann um ans Ziel zu gelangen, nämlich das aus dem Kind "herauszuholen" was möglich ist. Wenn du dich bei einem unwohl fühlst, solltest du auch andere ausprobieren.
Für euch weiterhin alles Gute
Liebe Grüße
Maren _________________ Maren und Felix (05/02) Mukolipidose Typ II, entwicklungsverzögert, kleinwüchsig, extrem weitsichtig, muskuläre Hypotonie, schwere Lungenbelastung, Tracheostoma, Heimbeatmung, PEG und Mila (09/04) gesund
Hallo Nellie, ja, genau das war auch unsere Idee - dem Kleinen möglichst viel Urvertrauen geben, wenn möglich, so wie du es auch schreibst. Ich denke, ich werde auf jeden Fall mal mit einer Übung am Tag anfangen und sehen, wie es zuhause geht - vielleicht geht es ja besser, als in der KG Praxis - derKleine fremdelt gerade sowieso viel und hat in der Praxis, weil alles fremd ist und er auch noch ein bißchen müde war, so und so geweint. Ich hatte bisher auch einfach Schiss vor den Übungen, aber ich werd es wie gesagt mal mit einer wenigsten probieren und dann weitersehen.
@Petra; ich hab heut extra die Neuropädiaterin nochmal gefragt, ob es Vojta sein soll, und die meinte halt auch "ja". Hm. Einen neuen Termin in der Klinik oder im SPZ haben wir erst im April bzw. im Juni.
@Saskia: Danke für dein Angebot, dir auch nochmal so schreiben zu dürfen, darauf komme ich gerne zurück, wenn wir denn endlich einen Anfang gemacht haben! Bei uns steht ja jetzt auch "etwas Zentrales" im Raum.
@Saskia und Maren: Unsere KG ist übrigens auch in Bobath und Vojta ausgebildet. Über Bobath weiß ich jetzt noch nicht so viel und auch nicht, wieviel bzw. was man bei Bobath üben sollte. _________________ Sohn geb. 5/05, kleinwüchsig?
das sind doch beste Voraussetzungen, wenn die KG beides kann. Dann wird sie Dich hoffentlich auch richtig beraten. Bei uns scheint Vojta wirklich mehr zu bringen und deshalb wollen wir es auch und finden eben irgendwie unseren Weg. Die Zeiten sind auch wichtig und dass wir selbst uns nicht so einen Stress machen. Ich quäle Linn nicht, sondern helfe ihr auch, ich lobe sie dabei sehr, motiviere sie, weiter zu machen, durchzuhalten (obwohl sie keinerlei Sprachverständnis hat), denn ich denke, auch das merkt sie, wie wir selbst rangehen. Wenn ich müde bin und eh keine Lust habe, macht sie auch nicht mit und weint und wehrt sich nur. Da muss sie die Mutter erstmal erziehen, denn sie braucht meine Hilfe, auch zum Turnen.
Ihr solltet Euch auch das Handling zeigen lassen, wie man ein Kind mit motorischen Problemen hochnimmt, anzieht, ablegt, ... das ist in Vojta nicht drin, das kommt dann aus Bobath. Das mischen wir täglich.
Und wenn es nicht klappt, auch Bobath ist eine sehr effektive Therapie!
LG
Nellie _________________ Linn *2004, Intensivkind mit schwerster Mehrfachbehinderung durch eine Gehirnfehlbildung namens pontocerebelläre Hypoplasie Typ 2a (PCH 2a), Sondenkind mit Button, Epilepsie, Tracheostoma, nachts beatmet, schwere Wahrnehmungsstörung und ein zauberhafter roter Lockenkopf mit festem Willen und Ann *06/09, fröhliche Minimaus --> unsere Vorstellung und --> Bilder von uns
Der Vorteil von Bobath ist, dass das Kind nicht dabei weint, meist hat es sogar Spaß dabei.
Dem muss ich widersprechen! Es ist nicht grundsätzlich so, dass das Kind bei Bobath immer nur "fröhlich" ist!
Optimal ist, wenn die KG beide Ausbildungen hat und die Behandlung auch "mischen" kann. Das heisst nicht unbedingt in einer Behandlung stetig zu wechseln, aber die Ziele kann man drauf schon abstimmen!
>>>Und du fühlst, dass du lebst
Weil du tanzt und fliegst, du schwebst
Weil du lachst, weil du weinst und liebst
Du bist ein Wunder
Du bist ein Wunder<<<
Andreas Bourani "Wunder"
auch wir haben erst versucht über Bobath an Silas ranzukommen. Nun turnen wir aber seit längerer Zeit Vojta.
As Silas noch kleiner war haben wir ihn auch sehr viel getragen, mein Mann sogar oft abends auf dem Stepper (das fand er super!). Selbst heute (er ist mit 11,5 kg natürlich auch noch nicht so schwer) trage ich ihn noch oft beim Spazieren gehen (in einem Rückenträgerle). Trotzdem finde ich, dass er durch Vojta Fortschritte gemacht hat und seit kurzem steigert er sich auch nicht mehr so rein. Er war im Januar + Februar fast nicht mehr in der Ausgangstellung zu halten und nun hat eine Kollegin mit "drauf" geschaut und wir haben nun angefangen über das "Verständnis" zu arbeiten. Naja, Teils Teils... heute habe ich geschummelt, er hatte den Schnulli drin, denn ich hatte echt keine Nerven auf geschrei. So turnt er perfekt.... Mal sehn wies weiter geht. Ich hoffe, dass Ihr einen Weg findet und Du auch siehst, dass es nach dem Turnen vorbei ist. Die Kinder lernen schnell, wenn der Body wieder an ist, ist das Turnen vorbei und beruhigen sich dann auch. (Wir kuscheln danach dann immer eine große Runde!)
Viel Erfolg und Ausdauer
LG Iris _________________ Iris (75) Daniel (75) Silas 19.09.2003 Microcephalie-Epilepsie-Spastische Hemiparese re, Kai 20.07.06, Meera (Golden Retriever) 4.09.2007
Tims KG mischt Bobath und Voitja.
Zum Teil hat er heftig geschrien,das ich auch dachte oh mein armes Kind.
Soll ich ihm das wirklich zu muten.Doch das war ein anderes Schreien,das klang nicht nach Schmerzen oder Traurigkeit.Was mich überzeugt hat weiter zumachen mit Votja war das Tim am Ende der Stunde seine Therapeutin immer geknuddelt hat Im KiTa bekommt er weiter KG nach Bobath und Votja und inszwischen schreit er auch nicht mehr.Kann nur für mich sprechen,ich bin der festen Überzeugung das es für Tim die richtige Therapieform ist.
Liebe Grüsse
Ute _________________ Ute 11/67 mit Phil 09/97 und Tim 05/02 Hemiparese re. ,Epilepsie, globale Entwicklungsverzögerrung
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